Ärzte Zeitung online, 05.08.2008
 

Effekt von Grippe-Impfung überschätzt?

SEATTLE (eis). Lässt sich bei alten Menschen durch Influenza-Impfungen ein großer Teil von Pneumonien bei Grippewellen verhindern? In mehreren Studien ist das in den vergangenen Jahren belegt worden. Ergebnisse einer großen Fallkontroll-Studie aus den USA sprechen jetzt aber dafür, dass der Effekt offenbar überschätzt wird.

Forscher um Dr. Michael L. Jackson vom Group Health Center for Health Studies in Seattle im US-Staat Washington haben das Pneumonie-Risiko von Geimpften und Ungeimpften in drei aufeinanderfolgenden Grippewintern sowie in den Zeiten davor miteinander verglichen (Lancet 372, 2008, 398).

Analysiert wurden dabei die Daten eines großen Krankenversicherers zu 1173 immungesunden Pneumonie-Patienten im Alter von 65 bis 94 Jahren. Für jeden Patienten wurden zudem die Daten von zwei Kontrollpersonen gleichen Alters und Geschlechts mitberücksichtigt.

Ergebnis: In den Zeiten vor Grippewellen ohne erhöhte Influenza-Aktivität war das Pneumonie-Risiko bei Geimpften 40 Prozent geringer als bei Ungeimpften. Wurden aber Vorerkrankungen und Behinderungen berücksichtigt, ergab sich in den Präinfluenza-Perioden insgesamt kein Schutzeffekt.

Während der Grippewellen hatten die Geimpften insgesamt ein 8 Prozent geringeres Pneumonie-Risiko als Ungeimpfte. Allerdings war in Zeiten höchster Grippe-Aktivität das Pneumonie-Risiko bei Geimpften im Vergleich sogar um 4 Prozent erhöht.

Die Forscher haben zwei mögliche Erklärungen für die Ergebnisse: Entweder schützen Grippe-Impfstoffe bei alten Menschen nur wenig vor Influenza-begleitender Pneumonie oder Influenza ist nur zu einem kleinen Teil die Ursache von Pneumonien bei diesen Patienten.

Um das zu klären, seien Impfstudien nötig, bei denen Erkrankungen wie Grippe oder Pneumonie eindeutig diagnostiziert werden, so die Forscher. Studien wie bisher mit unspezifischen Kriterien wie "Influenza-ähnliche Erkrankung" oder "Klinikeinweisung wegen Pneumonie" könnten den Schutzeffekt der Impfung nicht weiter abschätzen helfen.

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