Ärzte Zeitung, 05.02.2009

Influenza trifft häufig junge vitale Erwachsene

Grippewelle noch nicht vorüber, meinen Kollegen

NEU-ISENBURG (eis/ger). Viele Patienten mit Atemwegsinfektionen, aber bisher noch wenig Influenza: Das ist der Eindruck einiger Kollegen, die die "Ärzte Zeitung" zur Grippewelle befragt hat.

"Jeder dritte meiner über 40 Patienten am Donnerstagmorgen hatte eine Atemwegsinfektion", sagte zum Beispiel Dr. Volker von der Damerau-Dambrowski aus Stade. Bei jedem Influenza-Verdacht nimmt er einen Abstrich und schickt ihn als Influenza-Meldearzt an das Gesundheitsamt Hannover. Vor zehn Tagen hatte er dabei den ersten positiven Befund, in der letzten Woche seien es dann vier weitere gewesen. Besonders junge und vitale Erwachsene haben nach seiner Erfahrung Influenza. Dass die Grippewelle im Norden bereits abklingt, glaubt er nicht.

Auch in vielen anderen Praxen scheint die Influenza-Welle noch nicht richtig angekommen zu sein. Bei Virusinfekten der oberen Atemwege sei jetzt eine Entspannung zu spüren, sagt Allgemeinarzt Dr. Carsten-Heinrich Woltmann aus Lachendorf bei Celle. Woltmann hat sich an der Aktion der "Ärzte Zeitung" beteiligt, die Leser dazu aufgerufen hatte, über die Grippewelle zu berichten. Echte Influenza-Fälle habe er aber bestenfalls "eine Handvoll" gehabt, sagte Woltmann.

Die Erkrankungswelle scheint in Mittelhessen wieder zurückzugehen. Noch vor kurzem habe er in einem Notdienst 97 Menschen von acht Uhr morgens bis drei Uhr nachts behandelt, so Dr. Bernd Alles aus Großenlüder bei Fulda. Etwa die Hälfte davon habe ein Magen-Darm-Virus gehabt, die andere einen Atemwegsinfekt. Diese akute Welle ebbe jetzt ab, bei den Fällen, deren klinische Symptomatik auf Influenza deute - der Allgemeinmediziner schätzt die Zahl auf 80 bis 100 - "treten jetzt teilweise Superinfektionen auf". Das Altenheim vor Ort sei glücklicherweise verschont geblieben - "da habe ich alle geimpft", so Alles.

Die Verordnung von Neuraminidase-Hemmern ziehen die Ärzte nur bei eindeutiger klinischer Symptomatik in Betracht. Ein Problem sei es, dass viele Patienten erst nach zwei Tagen zum Arzt kommen, wenn es für die antivirale Behandlung zu spät sei, so Carsten-Heinrich Woltmann.

Allgemeinarzt und Abrechnungsexperte Dr. Peter Schlüter aus Hemsbach verordnet die Neuraminidase-Hemmer vor allem bei Risiko-Patienten mit klinischer Influenza-Symptomatik - etwa chronisch Kranke im Rentenalter.

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