Ärzte Zeitung, 27.09.2011

Hintergrund

Jährliche Grippe-Impfung: Bester Schutz für Risikogruppen

Die Grippesaison ist im vergangenen Jahr milde verlaufen, und auch dieses Jahr hoffen die Experten auf wenige Erkrankungen. Trotzdem sollten Menschen mit erhöhtem Risiko für Ansteckung oder Influenza-Komplikationen die jährliche Grippeimpfung erhalten.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Jedes Jahr impfen: Für Risikogruppen gibt es keinen besseren Schutz vor Influenza

Die Grippeerreger, die für die Saison 2011/2012 erwartet werden, sind die gleichen wie im Vorjahr. Das gibt Hoffnung auf eine ähnlich milde Saison wie 2010/2011.

"In der vergangenen Saison gab es geschätzt 2,1 Millionen zusätzliche, influenzabedingte Arztbesuche. Das entspricht einer eher milden bis moderaten Grippesaison", hat Privatdozent Walter Haas vom Robert Koch-Institut (RKI) bei einer Pressekonferenz von RKI und Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Berlin berichtet.

Zweigeteilte Saison

Was das Erregerspektrum angeht, war die Saison zweigeteilt. "Am Anfang dominierte eindeutig die Influenza A mit dem von der Grippepandemie bekannten Stamm H1N1."

Später hat sich dann die Influenza B in den Vordergrund geschoben. Ab etwa Mitte März bestritten die Influenza-B-Viren die Grippewelle mehr oder weniger alleine.

Erst ganz am Ende, im April, trat noch einmal vereinzelt die Influenza A auf, diesmal mit dem ebenfalls im Impfstoff enthaltenen Stamm H3N2.

Die Daten dazu stammen aus dem RKI-Surveillance-System, an dem bundesweit 700 niedergelassene Ärzte teilnehmen.

1,2 Mio. Arbeitsunfähigkeiten wegen Influenza

Andere Daten zur Grippewelle 2010/2011 bestätigen den eher moderaten Verlauf, den das Surveillance-System anzeigte. So gab es circa 1,2 Millionen influenzabedingte Arbeitsunfähigkeiten und 4700 influenzabedingte Krankenhauseinweisungen.

Diese Werte liegen deutlich unterhalb der Vergleichswerte von Jahren mit schweren Grippewellen wie 2008/2009 oder 2004/2005.

Hoffnung auf moderates Grippejahr

"Für die kommende Grippesaison können wir zumindest die Hoffnung haben, dass uns ein ähnlich moderates Grippejahr bevorsteht", sagte PEI-Präsident Professor Klaus Cichutek.

Der Grund: Nach den üblichen Analysen der Grippeviruszirkulation auf der Südhalbkugel empfehlen die Experten von WHO und Europäischer Arzneimittelagentur (EMA) für die kommende Saison den identischen Impfstoff wie im Vorjahr.

Erneut sind also die drei Virusstämme A H1N1, A H3N2 und B im Impfstoff enthalten.

Jeder Risikopatient sollte erneute Grippeimpfung erhalten

Das sollte aber nicht zu Nachlässigkeit bei der Grippeimpfung verleiten, betonten die in Berlin versammelten Experten. Jeder Risikopatient sollte eine erneute Grippeimpfung erhalten, auch dann, wenn er im Vorjahr den identischen Impfstoff erhalten hat.

Eine entsprechende offizielle Empfehlung der STIKO wurde bereits formuliert. Sie soll zu Beginn der letzten Septemberwoche veröffentlicht werden.

"Der Grund für die Empfehlung ist, dass insbesondere bei Risikogruppen eine Schutzdauer von mehr als zwölf Monaten fraglich ist", so Cichutek.

Keinerlei Auffälligkeiten bei Impfreaktionen

Ein weiterer Grund ist, dass die jährliche Grippeimpfung unabhängig von den jeweils verimpften Stämmen im Vergleich zu nur gelegentlichen Grippeimpfungen zu einer besseren Schutzwirkung führt: "Vor allem gegen leicht veränderte Stämme, so genannten Drift-Varianten, die in jeder Saison auftreten können, ist der Schutz dann besser."

Was die gemeldeten Verdachtsfälle auf Impfreaktionen angeht, gab es in der abgelaufenen Grippesaison keinerlei Auffälligkeiten.

Fieber wurde bei 4,4 Prozent der Impflinge gemeldet, Kopfschmerz bei 3,4 Prozent, grippeähnliche Erkrankungen bei einem Prozent und Lokalbeschwerden am Arm bei 2,7 Prozent. Das ist jeweils ziemlich genau das langjährige Mittel.

Die Impfstoffe der Grippesaison 2011/2012

Für die Saison 2011/2012 sind 19 Millionen Impfstoffdosen durch das PEI freigegeben. Angestrebt werden 20 bis 30 Millionen Dosen. Keiner der zugelassenen Impfstoffe enthalte die Quecksilberverbindung Thiomersal. Mit zwei Ausnahmen seien alle verfügbaren intramuskulären Impfstoffe für Erwachsene und Kinder ab sechs Monaten zugelassen. Die Ausnahmen sind Afluria®, das erst ab fünf Jahren zugelassen ist und Fluad®, der einzige Grippeimpfstoff mit Wirkverstärker (MF59). Fluad® ist für Personen ab 65 Jahren gedacht. Ebenfalls nur für Senioren, in diesem Fall ab 60 Jahren, gibt es den intradermalen Impfstoff Intanza®. Mutagrip® Kinder ist ein Impfstoff, der explizit für Kinder gedacht ist. Auf Zellkultur angezogen und damit für Hühnereiweißallergiker geeignet sind Optaflu® und Preflucel. (gvg)

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