Ärzte Zeitung, 30.10.2012

"Gefährlicher Mangel"

KBV gegen Rabattverträge bei Impfstoffen

Patienten wollen sich gegen Grippe impfen lassen, doch der rabattierte Impfstoff ist nicht da: Diese Situation will die KBV nicht mehr erleben. Sie wettert: Rabattverträge gefährden die Impfstoff-Versorgung - und fordert wieder mehr Freiheit.

KBV gegen Rabattverträge bei Grippe-Impfstoffen

KBV-Chef Dr. Andreas Köhler hat Gesundheitsminister Bahr einen Brief geschrieben, in dem er sich gegen die Rabattverträge bei Impfstoffen ausspricht.

© Hannibal / dpa

BERLIN (eis). Die aktuellen Engpässe bei der Grippe-Impfung haben gezeigt, "dass sich die Versorgung der Patienten mit Impfstoffen durch Exklusivverträge der Krankenkassen mit Herstellern verschlechtert hat", heißt es in einem Brief von KBV-Chef Dr. Andreas Köhler an Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Das Verfahren der Rabattverträge mit ausschließlicher Bindung an einen Hersteller habe sich als verfehlt erwiesen, so Köhler. Das Problem sei durch das Ausschreibungskriterium des niedrigsten Preises gefährlich verschärft worden.

Nur der billigste Anbieter sei berücksichtigt worden. Weitere Hersteller hätten in der Annahme, nicht zum Zuge zu kommen, die mit langen Vorlaufzeiten verbundene Impfstoff-Produktion nicht aufgenommen.

"An dieser gefährlichen Mangelsituation wird deutlich, dass das alleinige Kriterium `billig´ kontraproduktiv ist und vielmehr Qualität und Zuverlässigkeit unverzichtbare Kriterien neben dem Preis sein müssen, um Versorgungszuverlässigkeit zu erhalten", betont der KBV-Chef.

Kein ausreichender Impfschutz für chronisch Kranke

Jetzt sei zu befürchten, dass zum Zeitpunkt der in diesem Jahr erwarteten Grippewelle viele Menschen, darunter auch Risikopatienten und chronisch Kranke, keinen ausreichenden Impfschutz erhalten.

Die Situation habe zudem zu einer erheblichen Verunsicherung der Versicherten und Patienten geführt sowie zu einem verständlichen Unmut vieler Vertragsärzte.

Niedergelassene Ärzte müssten wieder die Freiheit haben, die jeweils effektivsten Impfstoffe einsetzen zu können und dürften nicht durch Rabattverträge auf bestimmte Mittel festgelegt werden, so die KBV.

Die Körperschaft drängt deshalb darauf, "saisonale Impfstoffe aus der gesetzlichen Vorgabe des AMNOG für Ausschreibungen zum Abschluss von Rabattverträgen herauszunehmen".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »