Ärzte Zeitung, 07.04.2016
 

Grippe

Problemviren zum Ende der Grippesaison

Die Grippewelle ebbt ab: Experten sprechen nur noch von einer moderat erhöhten Aktivität der Viren. Doch viele Erkrankte mussten zuletzt im Krankenhaus behandelt werden.

Von Wolfgang Geissel

BERLIN. Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen (ARE) ist bundesweit nur noch moderat erhöht, berichtet die AG Influenza am Robert Koch-Institut.

Für die Meldewoche bis zum 3. April (13. Kalenderwoche) wurden dabei in knapp zwei Drittel der 123 Stichproben von Patienten mit Grippeverdacht respiratorische Viren identifiziert, davon waren 44 Prozent Influenzaviren.

Es wurden in der 13. Kalenderwoche 5126 klinisch-labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt, darunter waren 3476 Erkrankungen mit Influenza B. Etwa jeder vierte Betroffene wurde stationär behandelt.

Seit der 40. Meldewoche 2015 wurden damit insgesamt 59.940 labordiagnostisch bestätigte Influenzainfektionen gemeldet, jeder Sechste (17 Prozent) war dabei im hospitalisiert worden. Bislang wurden 143 Todesfälle mit Influenzainfektion an das RKI übermittelt.

Zum Vergleich: Im vergangenen Winter waren bei der schweren Grippewelle im Vergleichzeitraum rund 74.800 labordiagnostisch bestätigte Influenzainfektionen übermittelt worden, darunter rund 12.000 hospitalisierte Fälle. Es waren damals bis zur 13. Kalenderwoche 2015 insgesamt 200 Todesfälle übermittelt worden.

"Mismatch" wird deutlich

Jeder vierte Grippe-Patient musste in die Klinik

Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen für 13/2016.

© RKI

Allerdings: In diesem Winter sind besonders viele junge Menschen an Grippe gestorben. 44 Prozent der 143 Grippetoten waren unter 60 Jahre alt und 56 Prozent über 60 Jahre. Im vergangenen Jahr machten die unter 60-Jährigen nur 21 Prozent der Todesfälle aus und 79 Prozent waren 60 Jahre oder älter.

Inzwischen wird auch ein "Mismatch" der herkömmlichen trivalenten Grippeimpfstoffe deutlich. In dieser Grippesaison wurden bisher im Nationalen Referenzzentrum 1193 Influenzaviren angezüchtet und die antigenen und genetischen Eigenschaften untersucht.

Darunter befinden sich 599 Influenza A- und 594 Influenza B-Viren. Während die Influenza-A-Viren von den aktuellen trivalenten Impfstoffen gut abgedeckt werden, ist der hauptsächlich zirkulierende Influenza B/Victoria-Stamm (96 Prozent Anteil) nicht in diesen Impfstoffen enthalten.

In der vergangenen Woche waren in Deutschland sogar vier von fünf isolierten Grippeviren von der B-Victoria-Linie.

"Sollte sich der Influenza-Mismatch am Ende der Saison bestätigen und ein großer Teil der Geimpften durch den trivalenten Rabattimpfstoff der Krankenkassen keinen Schutz haben, dann darf man gespannt sein auf die Argumente der GKV", kommentiert der "Impfbrief online" die Situation.

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