Ärzte Zeitung online, 02.11.2017
 

Influenza

Schwere Grippewelle in Australien, Appell zur Impfung

Neu-Isenburg. Australien wurde in diesem Jahr von einer besonders schweren Grippewelle heimgesucht. 215.280 laborbestätigte Grippefälle wurden im Winter der Südhalbkugel bis Mitte Oktober an das National Notifiable Diseases Surveillance System (NNDSS) gemeldet, berichtet das dortige Gesundheitsministerium. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bei der schweren Grippewelle im vergangenen Winter nur etwa 108.000 laborbestätigter Erkrankungen beim RKI registriert, bei mehr als dreimal so vielen Einwohnern!

Obwohl man aber auf dem fünften Kontinent im Vergleich offenbar eine bessere Surveillance von Influenza unterstellen kann, war die Zahl der Grippekranken dort in einigen Regionen deutlich höher als in den Vorjahren. Die Grippeepidemie klingt nach einem Höhepunkt im August inzwischen wieder ab.

Ein Grund für die vielen Erkrankungen in Australien könnte auch eine relativ niedrige Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe sein. Weil mehrere Influenza A(H3N2)-Stämme zirkulierten, betrug die Schutzwirkung der Impfung bei solchen Erregern nur 17 Prozent, berichtet das Europäische Centre for Disease Prevention and Control. Die WHO empfiehlt daher für die nächste Saison auf der Südhalbkugel im Impfstoff auf eine andere A(H3N2)-Komponente (von A/Hong Kong/4801/2014 zu A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016) zu wechseln . Auch der Influenza-B-Subtyp soll im trivalenten Impfstoff von B/Victoria auf B/Yamagata gewechselt werden; vom tetravalenten Impfstoff werden beide Subtypen abgedeckt.

Ob die Erreger der Südhalbkugen in diesem Winter auch in Deutschland dominieren werden, ist ungewiss. Die Zusammenstellung der Impfstoffkomponenten werde aber immer schwieriger, betont das ECDS In Deutschland appelliert das Robert Koch-Institut (RKI) jetzt in der Impfsaison an Ärzte, Risikogruppen konsequent gegen Grippe zu impfen. (eis)

[02.11.2017, 14:12:53]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"GEIZ IST GEIL" als Folge von Rabattverträgen?
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da beträgt die Schutzwirkung der Grippe-Impfung nur 17 Prozent bei den in Australien zirkulierenden Influenza A(H3N2)-Stämmen. Das wird dann auch noch als "relativ niedrige Wirksamkeit der Grippe-Impfstoffe" schön geredet!

Unter http://flunewseurope.org/ steht:
"Due to the diversity of A(H3N2) influenza viruses that circulated during the 2017 Southern Hemisphere season and reports of low vaccine effectiveness (17% against A(H3N2) overall), WHO recently recommended a change of the A(H3N2) component for inclusion in seasonal influenza vaccines for use in the 2018 Southern Hemisphere influenza season. In addition, the influenza B lineage in trivalent vaccines was changed to a B/Yamagata-lineage virus, compared to the vaccine component (a B/Victoria-lineage virus) recommended for 2017–2018 Northern Hemisphere influenza season."

Das bedeutet m. a. W.: Wenn das Europäische Centre for Disease Prevention and Control schon gemeinsam mit der WHO für die nächste Saison bei der A(H3N2)-Komponente den Wechsel von A/Hong Kong/4801/2014 auf A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und beim Influenza-B-Subtyp den Wechsel von B/Victoria auf B/Yamagata empfiehlt, war die gemeinsame Entscheidung von G-BA, Robert-Koch-Institut (RKI) und STIKO, auf den billigst-möglichen trivalenten Influenza-Impfstoff zurück zu greifen, ein Schuss in den Ofen!

Denn der zugegeben teurere, tetravalente Influenza-Impfstoff hätte die jetzt offenkundigen Lücken bei der Influenza-Epidemiebekämpfung bereits im Vorfeld locker geschlossen: Tetravalent bedeutet, A(H3N2)-Komponente A/Singapore/INFIMH-16-0019/2016 und B/Yamagata sind im tetra-valenten Grippe-Impfstoff bereits mit eingebaut und hätten unter geringer Kostensteigerung einen wirklich relevanten Grippeschutz ermöglicht.

Eine Schutzrate von nur 17 Prozent bei einer Influenza-Impfung ist ebenso armselig, wie die Bemühungen unserer Impf- und Infektionsepidemiologie-Strategen, genau am falschen Ende sparen zu wollen: Auf Kosten der Patientinnen und Patienten, der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und der Kliniker, die jetzt einer völlig unnötigen Grippewelle auf Grund mangelhafter Impfstoffe entgegensehen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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