Ärzte Zeitung, 03.08.2009

Kommentar

Besser suboptimal als gar nicht impfen

Von Michael Hubert

Wenn nur ein Trabi da ist, fahren wir auch damit. Nun ist der 23-valente Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff, empfohlen für alle über 60 Jahre, sicher nicht mit der Rennpappe zu vergleichen. Aber seit seiner Einführung 1983 wird über die Impfung diskutiert.

Häufigster Vorwurf: Sie ist nicht ausreichend wirksam. Dabei sind in großen Studien Pneumonieschutzraten bei Senioren bis zu 30 Prozent belegt, gegen invasive, oft tödlich verlaufende Pneumokokken-Erkrankungen bis über 80 Prozent. Nur gab es auch Studien mit niedrigeren Zahlen. Das ist die Achillesferse dieses Impfstoffs: Zuckerstrukturen sind nun mal nicht so immunogen wie Proteine.

Vielleicht ist die Diskussion um die Pneumokokken-Impfung für Ältere ja bald passé. Eine Studie hat ergeben: Die 13-valente Konjugatvakzine von Wyeth deckt fast 80 Prozent der Serotypen bei Erwachsenen mit invasiven Pneumokokken-Erkrankungen ab. Fast soviel wie der Polysaccharid-Impfstoff. Zwar ist der Impfstoff primär für Säuglinge und Kleinkinder vorgesehen, es laufen aber auch Studien mit Erwachsenen.

Ob der 13-valente Impfstoff bei Senioren wirklich immunogener und vor allem wirksamer ist, wird sich also zeigen. Bis dahin aber gilt: Lieber Trabi fahren, als zu Fuß gehen!

Lesen Sie dazu auch:
Impfstoffe decken Serotypen bei Pneumokokken gut ab

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Das erhöht die Organspendebereitschaft

Beauftragte an Kliniken für Transplantationen sollen von allen anderen Aufgaben entbunden werden – das verlangt die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Neue Zahlen aus Bayern geben ihr Argumentationshilfe. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »