Ärzte Zeitung online, 06.04.2011

Griff zu Statinen bei Pneumonie?

LONDON (hub). Profitieren Patienten mit Lungenentzündung von Statinen? Diesen Schluss lässt eine Studie mit fast 3000 Patienten mit einer Pneumonie zu.

Ausgewertet haben Epidemiologen aus London dafür Daten von über 40 Jahre alten Patienten, die zwischen 1995 und 2006 an einer Lungenentzündung erkrankt waren. Geschaut wurde nach der Sterberate innerhalb des halben Jahres nach der Lungenentzündung - und zwar bei jenen Patienten mit Statintherapie und jenen ohne.

Die Ergebnisse waren eindeutig: In der Gruppe mit Statintherapie starben 13 Prozent der Patienten (109 von 847) binnen eines halben Jahres, in der Gruppe ohne die Blutfettsenker hingegen 20 Prozent (578 von 2927). Wie üblich, wurden beeinflussende Variablen wie Alter und ähnliches berücksichtigt.

Die Autoren von der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) merken selbst kritisch an: Bei den beiden Gruppe handelte es sich um Patienten, die schon vor ihrer Pneumonie mit Statinen therapiert wurden.

Es handelt sich also nicht um eine Interventionsstudie, bei der zusätzlich zum Antibiotikum bei bakterieller Pneumonie ein Statin gegeben wurde.

Erst eine solche Studie könne Klarheit bringen, ob Statine bei Pneumonie-Patienten die Überlebensrate erhöhen, so die Forscher in einer Mitteilung der LSHTM. Dass Statine antientzündliche Effekte haben, ist wissenschaftlich unstrittig.

[07.04.2011, 14:00:38]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Signifikant erhöht war nur der publizistische Ehrgeiz der Untersucher
Ein klassisches Bias (statistische Verzerrung, systematischer Fehler), bei einer retrospektiven Analyse eigentlich eine unzulässige Schlussfolgerung und keine Publikation wert. In beiden Pneumoniegruppen haben Patienten vorher schon Statine eingenommen. Nur die Pneumoniegruppe mit besserem Outcome und aktuell regelmäßiger Statinmedikation war wegen der notwendigen Rezepte häufiger beim Arzt und im klinischen Blickfeld der Kolleginnen und Kollegen.

Die Statin"schlamper" gingen einfach nicht zum Arzt, ließen Pneumonie-Symptome länger zu, bis ärztliche Hilfe dann häufiger zu spät kam. Deshalb war die Mortalität 20 % statt 13 %.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
PS: Die London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) ist mittlerweile berüchtigt für substanzlose epidemiologische Studienergebnisse
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