Ärzte Zeitung online, 13.05.2014

Coronavirus

Zweiter MERS-Fall in den USA

In den USA gibt es den zweiten MERS-Fall - importiert aus Saudi-Arabien. In Genf beraten Experten, wie sie den steigenden Erkrankungszahlen Herr werden wollen.

Zweiter MERS-Fall in den USA

In Saudi-Arabien sollen Kamele nun einen Chip erhalten, auf dem Züchter und Herkunftsort erfasst werden.

© dpa / spa / epa

ATLANTA. In den USA gibt es einen zweiten Fall einer Infektion mit dem neuen Coronavirus MERS. Die zuständigen Behörden erwarten noch weitere Fälle.

In Saudi-Arabien hat es derweil fünf neue Todesfälle gegeben. Am Dienstag sind außerdem Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf zusammengekommen, um die aktuellen Entwicklungen zu beraten.

Bei dem neuerlichen MERS-Fall in den USA handelt es sich nach Angaben der Seuchenkontrollbehörde CDC um eine Pflegekraft aus Saudi-Arabien. Der Patient werde derzeit in einer Klinik in Florida behandelt und isoliert.

Auch der erste MERS-Patient in den USA stammt aus Saudi-Arabien und war dort im Gesundheitswesen tätig. Diesem Patienten geht es mittlerweile wieder besser.

Schon im Flugzeug krank

Der jetzt in Florida behandelte Patient war am 1. Mai von Dschidda über London, Boston und Atlanta nach Orlando in Florida gereist.

Bereits auf dem Flug soll er sich krank gefühlt und erste Symptome wie Fieber, Schüttelfrost und Husten entwickelt haben, teilte die CDC am Montagabend Deutscher Zeit in Atlanta mit.

Am vergangenen Freitag (9. Mai) sei er in einer Notaufnahme aufgenommen worden, in der Nacht zum Montag konnte die Infektion mit dem "Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus" (MERS-CoV) schließlich im Labor bestätigt werden.

Derzeit machen die Behörden vor Ort Mitreisende ausfindig, um auf potenzielle Neuinfektionen schnell reagieren zu können. Der MERS-Patient könnte auf den Flügen Kontakt zu hunderten Reisenden gehabt haben.

CDC-Direktor Dr. Tom Frieden nannte den neuen Fall "nicht überraschend". "Wir erwarten noch weitere Fälle, sind darauf aber vorbereitet", ergänzte seine Kollegin Dr. Anne Schuchat vom nationalen Zentrum für Atemwegserkrankungen.

Hintergrund für diese Befürchtung ist der deutliche Anstieg von MERS-Neuinfektionen im am schlimmsten betroffenen Land Saudi-Arabien.

In das für Muslime heilige Land pilgern jedes Jahr Millionen Menschen, auch außerhalb der großen Hadsch im Herbst. Indonesien hat jüngst Älteren, Kindern und Schwangeren empfohlen, in diesem Jahr nicht an Pilgerreisen nach Saudi-Arabien teilzunehmen.

Ursache für Welle unbekannt

Seit April schnellen im Königreich die Erkrankungszahlen in die Höhe. Zuletzt gab es dort einen größeren Ausbruch in einem Krankenhaus in Dschidda. Die Ursachen für die aktuelle Welle können Experten bislang nicht erklären.

Nach Angaben des saudischen Gesundheitsministeriums sind bis Montagmittag acht neue Infektionsfälle und fünf Tote gemeldet worden. Damit gibt es nun allein in Saudi-Arabien über 450 MERS-Fälle, darunter über 120 mit letalem Ausgang.

Weltweit sind nach Angaben der WHO über 500 laborbestätigte Fälle gemeldet worden, rund 230 davon allein seit Mitte April dieses Jahres. Auch nach Europa wurden seinerzeit bereits einige wenige Erkrankungsfälle importiert, darunter auch zwei nach Deutschland.

Das neue Coronavirus war zum ersten Mal im Frühjahr 2012 aufgetaucht. Experten vermuten jedoch, dass die Viren schon deutlich länger auf der arabischen Halbinsel existieren. Als Reservoir gelten Kamele und speziell Dromedare.

In Genf sind am Dienstag Experten des WHO-Notfallkomitees zu MERS zusammengekommen. In ihrer fünften Sitzung wollen sie die aktuellen Entwicklungen beraten.

Unklar ist bislang, ob die WHO ihre Warnstufe zu MERS ändern will. Ergebnisse werden für den späten Dienstagabend erwartet.

Auch Wildtiere sollen erfasst werden

In Saudi-Arabien wird derweil der Umgang mit Kamelen verschärft. Die Tiere sollen einen Chip erhalten, auf dem Züchter und Herkunftsort erfasst werden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Riad mit.

Erfasst werden sollen auch Wildtiere. Außerdem soll eine Kampagne anlaufen, mit der die MERS-Prävalenz in den Tieren ermittelt werden soll. Unterstützt wird das Land dabei von den Vereinten Nationen.

Zuletzt hatten die Behörden zu Vorsicht im Umgang mit Kamelen geraten und jenen Mundschutz und Handschuhe empfohlen, die beruflich mit den Tieren arbeiten. (nös)

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