Ärzte Zeitung online, 03.02.2017

Pneumonie

Bei welchen Patienten gibt's Fehldiagnosen?

Nicht alle Kranken, die mit einer entsprechenden Diagnose stationär aufgenommen werden, leiden tatsächlich an einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP). Mit Alter und Multimorbidität steigt das Risiko für Fehldiagnosen.

Von Beate Schumacher

Bei welchen Patienten gibt's Fehldiagnosen?

Vor allem ältere Menschen in schlechtem Allgemeinzustand werden fälschlich mit der Diagnose einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) in ein Krankenhaus aufgenommen.

© psdesign1 / fotolia.com

NOTTINGHAM. Die variable Symptomatik und die beschränkte Aussagekraft von Röntgen-Thorax-Aufnahmen machen es mitunter schwierig, eine frühe Pneumonie eindeutig festzustellen. Dies kann offenbar gerade bei älteren Menschen in schlechtem Allgemeinzustand dazu führen, dass sie fälschlich mit der Diagnose CAP in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Auch hinsichtlich der Symptomatik gibt es bei hospitalisierten Patienten Unterschiede zwischen solchen mit korrekter und fehlerhafter CAP-Diagnose, wie ein Audit der British Thoracic Society (BTS) ergeben hat (Thorax 2017; online 20. Januar).

1251 Fehldiagnosen analysiert

In dem Untersuchungsverfahren, an dem mehr als 150 Krankenhäuser beteiligt waren, wurden die Krankenakten von 6660 CAP-Patienten mit denen von 1251 falsch diagnostizierten Patienten verglichen. Alle Patienten waren immunkompetent und in den zehn Tagen vor der Pneumoniediagnose nicht stationär behandelt worden. Voraussetzungen für eine zutreffende CAP-Diagnose, die durch das Audit-Team verifiziert wurde, waren neu aufgetretene Infiltrate im Röntgenthorax in Kombination mit Zeichen einer tiefen Atemwegsinfektion.

Von den Patienten mit einer Fehldiagnose zeigten nur 74,6 Prozent Symptome, die mit einer Infektion der unteren Atemwege vereinbar waren. Das Thoraxröntgen blieb sogar bei 38,9 Prozent ohne Befund. Auffällige Aufnahmen, soweit vorhanden, zeigten unter anderem Pleuraergüsse, Kardiomegalien und chronische Lungenveränderungen.

Patienten mit einer Fehldiagnose unterschieden sich auch sonst in zahlreichen Eigenschaften von den CAP-Patienten: Sie waren mit median 80 gegenüber 78 Jahren signifikant älter und sie litten deutlich häufiger an schweren Komorbiditäten wie KHK, Herzinsuffizienz, Demenz, Diabetes und zerebrovaskulären Erkrankungen (38,0 vs. 30,6 Prozent mit 2–4 und 0,7 vs. 0,5 Prozent mit ≥5 Begleiterkrankungen).

Mehr unspezifische Symptome

Bei Aufnahme hatten sie außerdem signifikant seltener Symptome wie Fieber (42,8 vs. 51,4 Prozent), Husten (74,5 vs. 82,9 Prozent), Atemnot (66,6 vs. 78,5 Prozent) und pleuritischen Schmerz (17,8 vs. 24,9 Prozent). Dafür bestanden häufiger unspezifische konstitutionelle Symptome wie eine allgemeine Verschlechterung, Stürze und Bewusstseinsveränderungen.

Die Prognose der falschen CAP-Patienten war etwas günstiger: Sie wurden seltener auf die Intensivstation verlegt (1,9 vs. 5,1 Prozent) und hatten innerhalb von 30 Tagen eine geringere Krankenhausmortalität (14,3 vs. 17,0 Prozent).

"Die Beobachtungen spiegeln die anerkannte Schwierigkeit wider, allein anhand von Klinik und Röntgenthorax eine frühe Pneumoniediagnose zu stellen", konstatieren die beteiligten Ärzte um Priya Daniel vom Nottingham University Hospitals NHS Trust. Sie vermuten, dass bei einigen Patienten nicht-pneumologische Erkrankungen wie zum Beispiel eine Herzinsuffizienz als Lungenentzündung fehlgedeutet worden sind. Und: Viele Patienten, die zwar Symptome einer akuten Atemwegsinfektion aufwiesen, aber einen normalen Röntgenbefund hatten, seien wahrscheinlich an einer akuten Bronchitis erkrankt gewesen.

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