Ärzte Zeitung online, 04.08.2017

Kohortenstudie

Herzinfarktrisiko nach Pneumonie über Jahre erhöht

Herzinfarktrisiko nach Pneumonie über Jahre erhöht

Gefahr nicht gebannt: Auch Jahre nach bestimmten Infektionen ist das Risiko für einen Infarkt deutlich erhöht.

© psdesign1 / Fotolia

ÖREBRO. Selbst Jahre nach einer Pneumonie oder Sepsis ist das kardiovaskuläre Risiko noch erhöht, legt eine schwedische Kohortenstudie nahe (European Journal of Preventive Cardiology 2017; online 1. August).

Dieser Studie zufolge, publiziert im European Journal of Preventive Cardiology (https://doi.org/10.1177/2047487317724009), scheint die Gefahr in den ersten drei Jahren nach der Infektion zwar am höchsten. Doch auch noch nach dieser Zeit bestehe offenbar eine gewisse Gefährdung, schlussfolgern die Autoren um Cecilia Bergh von der Örebro Universität.

In dem ersten Jahr nach einer stationär behandlungsbedürftigen Pneumonie oder Sepsis wiesen die betroffenen Patienten ein um mehr als das Sechsfache erhöhte kardiovaskuläre Risiko auf (adjustierte Hazard Ratio, HR: 6,33). Im zweiten und dritten Jahr war das Risiko um etwa das Doppelte erhöht (HR: 2,47 und 2,12). Und auch im fünften Jahr ließ sich ein signifikant erhöhtes Risiko feststellen (HR: 1,87).

Dass das Risiko für kardiale Ereignisse nach einer akuten Infektion kurzzeitig ansteigt, ist schon aus früheren Studien bekannt. Diese Analyse deutet nun an, dass die Gefahr über längere Zeit bestehen bleibe, so die Autoren. Das mit der Zeit abnehmende Risiko ist nach Ansicht der Wissenschaftler ein Hinweis dafür, dass die beobachtete Assoziation tatsächlich kausal sein könnte. Ein Beweis ist dies aber natürlich nicht.

Bergh und Kollegen vermuten durch Infektionen ausgelöste systemische Entzündungsprozesse als zugrunde liegenden Mechanismus. Nicht selten würde dadurch eine erhöhte prokoagulative Aktivität begünstigt, die auch Jahre nach der Infektion bestehen bleiben könne.

In der Studie wurden Daten von 236.739 schwedischer Männer, die zwischen 1952 und 1956 im Rahmen einer Musterung einer gründlichen körperlichen Untersuchung unterzogen wurden, ausgewertet. Die bis ins späte Erwachsenalter (bis 2010) stattgefundenen Infektionen und kardiovaskulären Erkrankungen wurden im Rahmen nationaler Register dokumentiert und statistisch ausgewertet. (vsc)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Unterwegs mit dem ADAC-Ambulanzjet

Wer auf Auslandsreisen krank wird, der ist froh, wenn schnelle Hilfe naht. Besonders zügig geht das mit einem Ambulanzjet - etwa vom ADAC. mehr »

Ein Besuch auf der Messe "Medicare Taiwan"

Taiwans Medizintechnikunternehmen gelten als Powerhouse - und sie suchen den Schulterschluss mit internationalen Partnern. Die "Medicare Taiwan" ist DER Branchentreff – ein Fachmessebesuch in Taipeh. mehr »

Extra-Vergütung für offene Sprechstunden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will Ärzte für offene Sprechstunden besser bezahlen. Die zusätzliche Vergütung soll es auch dann geben, wenn Ärzte Termine über die Terminservicestellen annähmen.. mehr »