Ärzte Zeitung online, 05.08.2010

So schützt Muttermilch vor Infektionen

Komplexzucker dienen als Falle für schädliche Bakterien und Viren

RALEIGH (hub). Zwischen der Mutter, ihrem Kind und dessen Darmbakterien gibt es eine Verbindung: die unverdaulichen Komplexzucker in der Muttermilch. Sie schützen das Kind offenbar vor Infektionen.

So schützt Muttermilch vor Infektionen

Stillen schützt Babys vor Infektionen - das liegt offenbar an den Komplexzuckern in der Muttermilch.

© chiyacat / fotolia.com

Ein großer Teil der menschlichen Muttermilch - nämlich die enthaltenen Komplexzucker - kann vom Säugling nicht verdaut werden. Diese Zucker machen immerhin bis zu einem Fünftel der Muttermilch aus.

Menschen besitzen keine Enzyme, um diese Komplexzucker aufzuschließen. Anders ist das bei Bakterien der Art Bifidobacterium longum, schreibt die "New York Times" in ihrer Online-Ausgabe vom Dienstag. Diese Bakterien können sehr gut auf den Komplexzuckern wachsen und sich so im Darm der Neugeborenen ansiedeln. Die Bifidobakterien kleiden dann den kindlichen Darm aus und schützen das Kind so vor schädlichen Bakterien.

Forscher von der North Carolina State Universität haben jetzt herausgefunden, dass die Komplexzucker auch einen direkten Schutz vor giftigen Bakterien bieten. Die Zucker ähneln nämlich sehr stark jenen Zuckerstrukturen auf der Oberfläche menschlicher Zellen. Viele toxische Bakterien und Viren binden an diese Zuckerstrukturen der menschlichen Zellen. Diese Strukturen ahmen die Komplexzucker quasi nach. Zusätzlich zu ihrer Funktion als Nährstoff für die Bifidobakterien fungieren die Komplexzucker aus der Muttermilch also auch als eine Art Falle für schädliche Viren und Bakterien.

Inwieweit dieser Mechanismus generell als Schutz vor bakteriellen und viralen Infektionen genutzt werden kann, ist noch unklar. Bisher wurden die Komplexzucker ausschließlich in der Muttermilch gefunden. Kürzlich wurden jedoch solche Zucker auch aus Molke isoliert. Die US-Forscher wollen nun herausfinden, ob sowohl Frühgeborene als auch ältere Menschen von den Zuckerstrukturen profitieren können. Die Originalarbeit wurde online in PNAS publiziert.

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