Ärzte Zeitung online, 08.10.2019

Herzinsuffizienz

Schadet Malaria auch dem Herzen?

Nach einer MalariaInfektion war das Herzinsuffizienz-Risiko bei Studienteilnehmern um 30 Prozent erhöht.

PARIS. Eine Malariainfektion ist möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Herzschwäche assoziiert. Darauf weist eine dänische Studie hin, die beim Europäischen Kardiologenkongress in Paris vorgestellt wurde.

Jährlich infizieren sich mehr als 219 Millionen Menschen weltweit mit Malaria. Die Forscher hatten entdeckt, dass beim Anstieg der Malaria-Infektionen in bestimmten Gebieten auch die kardiovaskulären Erkrankungen zunahmen.

Sie nutzten Daten aus dem dänischen Gesundheitsregister und identifizierten fast 4000 Patienten, die sich in den vergangenen 25 Jahren mit Malaria angesteckt hatten. 58 Prozent davon waren männlich, das Durchschnittsalter lag bei 34 Jahren.

Innerhalb des zehnjährigen Follow-ups registrierten die Autoren um Dr. Philip Brainin vom Herlev-Gentofte-Uniklinikum in Kopenhagen bei den an Malaria Erkrankten 69 Fälle von Herzinsuffizienz, auffällig viele im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung. Die Nachbeobachtung ergab zudem 68 kardiovaskuläre Todesfälle und 47 Herzinfarkte, was jedoch verglichen mit der restlichen Population nicht außergewöhnlich viel ist.

„Die Patienten, die sich zuvor mit Malaria infiziert hatten, hatten ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, im Verlauf der Nachbeobachtungszeit Herzinsuffizienz zu entwickeln“, sagte Brainin. „Das ist eine hohe Zahl, andererseits war unsere Studie relativ klein, was eine Einschränkung darstellt.“ Weitere Untersuchungen seien erforderlich und bereits geplant.

Malaria verändert Gefäße

Auch frühere Untersuchungen zeigten, dass Malaria das Herzmuskelgewebe funktionell und strukturell verändern kann. Die Infektion scheint auch die Blutdruckregulierung zu beeinflussen, was Hypertonie und damit Herzinsuffizienz begünstigt. Zudem kann Malaria die Gefäße verändern, was Entzündungsreaktionen auslösen und zu Fibrose und Herzversagen führen kann.

„Diese Ergebnisse sind nicht nur aus epidemiologischer, sondern auch aus medizinischer Sicht sehr interessant“, sagte Brainin.„Wenn Malaria potenziell mit Herzerkrankungen in Zusammenhang steht, könnte sie ein therapeutisches Ziel sein, das wir zur Kontrolle und Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen in den entsprechenden Regionen nutzen können“, so Branin.

Da es jedoch noch zu früh sei, die Ergebnisse in die klinische Praxis umzusetzen, sei seine Empfehlung für Ärzte, sich vorerst weiterhin auf etablierte Risikofaktoren für Herzschwäche zu konzentrieren. (sj)

Weitere Infos zur Kardiologie auf www.kardiologie.org

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