Ärzte Zeitung, 06.01.2016
 

Meningitis

Symptome hängen von Alter und Geschlecht ab

Die Symptome einer bakteriellen Meningitis bei Kindern und Jugendlichen sind offenbar geschlechtsspezfisch: Jungen haben eher Kopfschmerzen, Mädchen eher Krampfanfälle.

Von Peter Leiner

Symptome hängen von Alter und Geschlecht ab

Meningokokken: Die Keime sind heute bei uns die häufigste Ursache bakterieller Meningitiden.

© Schreiter / Springer Verlag

UMEå. Die klassische Meningitis-Symptomkonstellation - Fieber, Nackensteife und Bewusstseinseintrübung - kann besonders bei Kindern und Jugendlichen fehlen.

Darauf haben Pädiater um Dr. Urban Johansson Kostenniemi von der Umeå-Universität in Schweden hingewiesen.

Um Symptome bei Krankheitsbeginn zu eruieren, haben sie Daten von unter 18-Jährigen aus einem Register des Landes der Jahre 1986 bis 2013 analysiert. Angaben von insgesamt 103 Heranwachsenden mit akuter bakterieller Meningitis - 52 Jungen und 51 Mädchen - lagen vor. 77 Kinder waren jünger als fünf Jahre (Acta Paediatrica 2015; online 30. September).

Die meisten hatten sich mit Haemophilus influenzae angesteckt, nämlich fast 41 Prozent, etwa 30 Prozent mit Pneumokokken und knapp 10 Prozent mit Meningokokken.

Die meisten Daten stammen dabei aus der Ära vor den konjugierten Impfstoffen: Denn der größte Teil dieser Infektionen lässt sich inzwischen durch Impfungen gegen Pneumokokken, H. influenzae b (Hib) und Meningokokken vermeiden.

Ältere fühlten sich eher unwohl

Andere Erreger als Auslöser der Meningitis waren unter anderem B-Streptokokken, Fusobacterium necrophorum und Streptococcus oralis. Die jeweiligen Infektionsraten unterschieden sich jedoch je nach Alter.

So waren zum Beispiel H.-influenzae-Infektionen bei Patienten zwischen einem und vier Jahren häufiger (52 versus 11 Prozent) als in der älteren Vergleichsgruppe, ebenso Infektionen mit Meningokokken (29 versus 3 Prozent).

Ältere Patienten fühlten sich der retrospektiven Studie zufolge eher unwohl als jüngere und hatten zudem diffusere Symptome bei der Erstaufnahme.

Die Leukozytenwerte waren bei den kleinen Kindern signifikant niedriger als bei den älteren, die Zahl der positiven Liquorkulturen dagegen höher.

Bei Kindern im Alter zwischen fünf und 17 Jahren war die Wahrscheinlichkeit für Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Vertigo und gesteigerte Schmerzempfindlichkeit sowie für Petechien bei der Erstaufnahme deutlich größer als bei den kleinen Kindern.

Jungen hatten eher Kopfweh

Darüber hinaus war bei Jungen die Wahrscheinlichkeit für eine gestörte Blut-Hirn-Schranke größer als bei Mädchen, was anhand der erhöhten Proteinspiegel im Liquor geschlossen wurde.

Als häufigstes Zeichen für einen erhöhten intrakraniellen Druck hatten Jungen eher Kopfschmerzen als Mädchen. Schließlich erfüllten Mädchen besser die SIRS-Kriterien (systemic inflammatory response syndrome), als Zeichen für eine Sepsis, wenn die überschießende Entzündungsreaktion durch eine Infektion ausgelöst wird.

Kostenniemi und seine Kollegen erinnern daran, dass die häufigste Symptomkombination Fieber, Bewusstseinsstörung und Nackensteifigkeit ist. 35 Prozent der Kinder zwischen einem Monat und vier Jahren hatten alle drei Zeichen, 32 Prozent der Kinder in der älteren Vergleichsgruppe.

74 und 75 Prozent hätten mindestens zwei der drei Symptome gehabt. Durch Hinzunahme eines vierten Symptoms, nämlich Krampfanfälle, liege die Sensitivität bei 78 und 75 Prozent und durch Hinzunahme eines weiteren Symptoms, nämlich Kopfschmerzen, bei 78 und 89 Prozent.

Für die schwedischen Pädiater bleibt die Diagnose akute bakterielle Meningitis eine Herausforderung, da es bisher keine Empfehlungen gebe, mit deren Hilfe sich die Infektionskrankheit hundertprozentig ausschließen oder bestätigen lasse.

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