Ärzte Zeitung online, 20.09.2017

WHO-Appell

Neue Antibiotika braucht die Welt

Die WHO zeichnet ein düsteres Bild: MRE gefährden den medizinischen Fortschritt der Menschheit. Neue Antibiotika seien dringend benötigt und die internationale Gemeinschaft sollte sich darauf fokussieren.

Neue Antibiotika braucht die Welt

Die Flagge der WHO im Wind: Die Organisation sieht stürmische Zeiten für die Menschheit, falls nicht neue Antibiotika entwickelt werden.

© shaadjutt36 / stock.adobe.com

GENF. Die internationale Gemeinschaft tut nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) viel zu wenig, um neue wirksame Antibiotika zu entwickeln. Aktuell gebe es nur ganz wenige Behandlungsoptionen bei Infektionen mit Antibiotika-resistenten Keimen, teilte die WHO am Mittwoch mit.

Resistenzen gefährdeten ernsthaft den medizinischen Fortschritt, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Es gibt einen dringenden Bedarf für mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, ansonsten kommen wir wieder in eine Zeit, in der Menschen gewöhnliche Infektionen und kleine operative Eingriffe fürchten", sagte Tedros. Allein an der behandlungsresistenten Tuberkulose sterben den Angaben zufolge pro Jahr 250 000 Menschen.

Auch andere Krankheiten wie Lungenentzündung oder Infekte der Harnwege würden inzwischen von Keimen ausgelöst, die gegen gängige Antibiotika resistent seien. Von 51 neuen Antibiotika, die laut WHO in der Entwicklung sind, eröffneten nur acht wirklich neue Wege bei der Behandlung.

"Pharmafirmen und Forscher müssen sich dringend auf die Entwicklung neuer Antibiotika gegen schwere Infekte konzentrieren, die sonst Patienten innerhalb von Tage töten können", so die WHO-Expertin Suzanne Hill. Eine entsprechende Forschungspartnerschaft werde von Deutschland und anderen Staaten bisher mit 56 Millionen Euro unterstützt. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Schwere Grippewelle hat Deutschland im Griff

Die aktuelle Grippewelle tobt und beschert Praxen und Kliniken einen regen Zulauf. Das RKI hat Tipps, worauf Ärzte jetzt achten sollten. mehr »

Bodyguard lässt sich von Steuer absetzen

211.000 Euro hatte eine Frau für einen Bodyguard steuerlich abgesetzt - zu Recht, entschied jetzt ein Gericht. Eine Rentnerin aus NRW schützt sich so steuersparend vor einer falschen Ärztin. mehr »

Die Ängste der Akademiker

Albtraum Studium? Jeder sechste Studierende leidet nach Angaben der Barmer unter einer psychischen Störung. Tendenz steigend. mehr »