Ärzte Zeitung online, 11.05.2009
 

Erster Schweinegrippefall alarmiert China

PEKING (dpa). Die Schweinegrippe ist in China angekommen. Bei dem ersten Fall in Festlandchina wurde das H1N1-Virus bei einem 30-jährigen Chinesen festgestellt, der am Wochenende von einem Besuch in den USA zurückgekehrt war. Nach den Erfahrungen mit der Eindämmung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS im Jahr 2003 reagierten die Behörden mit weit reichenden Quarantänemaßnahmen für Personen, die in einem Flugzeug mit dem erkrankten Mann gesessen oder in seinem Hotel gewohnt hatten.

Mehr als 200 Menschen, darunter auch Ausländer, wurden isoliert. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao rief die Nation zum entschlossenen Kampf gegen die Schweinegrippe auf. Es müssten alle Anstrengungen unternommen werden, um eine Epidemie zu verhindern, zitierten ihn die zentralen Abendnachrichten.

Landesweit wurden die Gesundheitsbehörden in Bereitschaft versetzt. Die Überwachung von Grippe- und Lungenerkrankungen wurde verschärft. Aus Angst vor einer Einschleppung des Virus erließ die taiwanesische Regierung eine Reisewarnung: "Wir fordern alle Reisenden nach China auf, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen", sagte ein Regierungssprecher in Taipeh.

Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, der Patient liege in einem Krankenhaus in der südwestchinesischen Metropole Chengdu und erhole sich von seiner Erkrankung. Er sei am Samstag von St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota über Tokio nach Peking und weiter in die Metropole Chengdu geflogen. Auf dem innerchinesischen Flug habe der 30-Jährige Fieber und Erkältungssymptome bekommen.

In China wurden mehr als 130 der 150 Passagiere aus dem Flugzeug isoliert, mit dem der Erkrankte nach Chengdu geflogen sei, meldete Xinhua. Weitere 120 der 143 Passagiere auf dem Flug von Tokio nach Peking wurden kontaktiert. Unter ihnen waren auch Ausländer. Keiner habe Fieber entwickelt. Die Gesundheitsbehörden forderten diese Mitreisenden aber auf, sich auch in Quarantäne zu begeben. In Peking wurden 103 Gäste und Angestellte im Hanglü-Hotel nahe des Flughafens, wo sich der 30-Jährige am frühen Samstagmorgen einige Stunden aufgehalten hatte, komplett unter Quarantäne gestellt (wir berichteten kurz). Unter den isolierten Hotelgästen seien auch neun Ausländer. Ihre Nationalität wurde nicht genannt.

In Chengdu besuchte Vizeregierungschef Li Keqiang das Krankenhaus und inspizierte den Patienten durch eine Glasscheibe getrennt auf der Isolierstation, wie das Staatsfernsehen berichtete. In ihrer Reaktion auf die Schweinegrippe ergreifen die chinesischen Behörden ähnlich strenge Maßnahmen wie vor sechs Jahren gegen die Lungenkrankheit SARS, die nur durch weit reichende Quarantäne und Reiseverbote in den Griff gebracht werden konnte.

Nach der Entdeckung des ersten asiatischen Falles der Schweinegrippe bei einem mexikanischen Reisenden in Hongkong war ein komplettes Hotel in der Hafenmetropole isoliert worden (wir berichteten). Erst am Samstag waren die 240 Gäste des Hongkonger Metropark-Hotels, wo der Erkrankte gewohnt hatte, nach sieben Tagen in Quarantäne wieder freigekommen.

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