Ärzte Zeitung online, 12.06.2009

Ulla Schmidt: Keine Panik, aber besorgt

BERLIN (dpa). Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat vor Panik im Zusammenhang mit der weltweiten Schweinegrippe-Epidemie (Pandemie) gewarnt. Sie riet dennoch zur Wachsamkeit und empfahl regelmäßiges Händewaschen zur Vorbeugung einer Infektion.

"Ich bin nicht in Panik, aber schon in Sorge und rechne auch damit, dass wir in den nächsten Wochen auch mehr Fälle haben werden", sagte Schmidt am Donnerstagabend in Berlin. In Deutschland sei die Zahl der Infektionen auf über 100 hochgeschnellt. Die Erkrankung sei aber nach bisherigem Wissen "gut behandelbar", sagte die Ministerin. Man werde "wachsam sein", ob sich das Virus noch verändere.

Obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO die Schweinegrippe wegen ihrer starken Ausbreitung auf zwei Kontinenten zur Pandemie erklärt hat, werde sich für Deutschland vorerst "nichts ändern", betonte sie. Deutschland sei "gut vorbereitet".

Sie hoffe, dass es nicht so weit kommen werde, "dass wir Großveranstaltungen absagen müssen". Zu überlegen sei aber bei Infektionen von Schülern die vorübergehende Schließung der Schule. In jedem Einzelfall müsse darüber entschieden werden, wie Kranke zu isolieren seien. Schmidt forderte bei Verdacht auf Infektion mit dem Schweinegrippevirus dazu auf, sofort den Arzt zu konsultieren und diesen genau über Reisen aus Infektionsgebieten zu informieren.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Professor Jörg Hacker, räumte ein, dass das neue H1N1-Virus mutieren könne. Er gehe aber davon aus, dass die notwendigen Impfstoffe rechtzeitig im Herbst vor Beginn der neuen Grippesaison verfügbar seien. Die neue Situation "nimmt uns nicht gefangen. Wir haben das erwartet, dass es zu einer Ausrufung der Phase 6 kommt." Für Deutschland bedeutet das keine Änderung der Strategie: Die wesentlichen Bausteine der Infektionsbekämpfung seien "bereits etabliert".

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