Ärzte Zeitung online, 12.06.2009

Wie ist Deutschland auf eine Pandemie vorbereitet?

BERLIN (eb). Nachdem die WHO die Alarmstufe 6 ausgerufen hat, stellt sich die Frage: Wie ist Deutschland auf eine Pandemie vorbereitet? Das Robert Koch-Institut in Berlin gibt eine ausführliche Antwort. Lesen Sie hier Auszüge daraus.

Deutschland hat sich seit Jahren auf eine Influenzapandemie vorbereitet. Der Nationale Pandemieplan gibt einen Rahmen vor, der die Grundlage für die Pandemiepläne der Länder und die Ausführungspläne der Kommunen bildet.

Für vordringlich halten Bund und Länder insbesondere die möglichst schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs. Die Bundesregierung hat frühzeitig die Entwicklung von Prototyp-Impfstoffen gefördert. In Deutschland haben sich Impfstoffhersteller verpflichtet, eine frühestmögliche Bereitstellung eines Impfstoffs zu gewährleisten.

Erkrankte Menschen können mit antiviralen Arzneimitteln (Neuraminidasehemmern) behandelt werden. Im Pandemieplan ist eine Bevorratungsmenge für 20 Prozent der Bevölkerung empfohlen. Dann kann bei einer mittelschweren Pandemie davon ausgegangen werden, dass Erkrankte im Pandemiefall eine Therapie mit antiviralen Arzneimitteln erhalten können. Die Bundesländer haben antivirale Medikamente bevorratet, im Durchschnitt für 20 Prozent der Bevölkerung.

Außerdem wurde die Surveillance, die Überwachung und Analyse des Krankheitsgeschehens, ausgebaut. Rasche und verlässliche Informationen zum Krankheitsgeschehen, zum Beispiel zur Altersverteilung der Betroffenen, sind wichtige Voraussetzung für zielgenaue Maßnahmen.

Die Diagnostik des neuen Virus wurde etabliert, und es wurden serologische Testverfahren entwickelt, um eine Infektion mit dem neuen Virus H1N1 auch nach Abklingen der Symptome oder bei symptomfreiem Verlauf nachzuweisen.

Außerdem sind die im Pandemieplan vorgesehenen Krisenreaktionsstrukturen aktiv oder in Vorbereitung. Zum Beispiel hat das RKI nach Hochstufung auf WHO-Phase 4 gemäß den Planungen die Influenzakommission einberufen, ein bundesweites Expertengremium, das zusammen mit der Expertengruppe Influenzapandemieplanung das Institut berät. Durch die Influenzakommission sind zusätzlich Teilnehmer der relevanten Fachgesellschaften, Organisationen und Verbände im Gesundheitswesen vertreten.

Persönliche Hygienemaßnahmen können dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko zu senken. Daher haben das RKI und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Aktion "Wir gegen Viren" gestartet. Die Aktion "Wir gegen Viren" stellt die Verhaltensweisen vor, mit denen man sich und andere besser vor Ansteckung schützen kann. Erster Schwerpunkt der Aktion ist das Händewaschen als zentrale Hygiene-Maßnahme im Alltag.

Kommunikation ist bei einem solchen Infektionsgeschehen wichtig. Daher werden die Informationen auf der Internetseite des RKI häufig aktualisiert, zum Beispiel die aktuellen Fallzahlen und die Einschätzung der Situation. Es gibt auch eine Reihe von Informationsangeboten auf Orts- und Landesebene, viele öffentliche Stellen bieten Hotlines an (eine Hotline-Übersicht ist auf den RKI-Internetseiten abrufbar).

Zum kompletten RKI-Artikel
Homepage des RKI
Aktion "Wir gegen Viren"

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