Ärzte Zeitung online, 02.07.2009

WHO zieht Zwischenbilanz der Schweinegrippe

CANCúN (dpa). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will in diesen Tagen eine erste Bilanz der im April in Mexiko ausgebrochenen Schweinegrippe ziehen. Gesundheitsminister und Experten aus rund 50 Ländern trafen am Mittwoch im mexikanischen Badeort Cancún ein. In Argentinien sollen bis zu 44 Menschen an Schweinegrippe gestorben sein. Diese Zahl ist von der WHO noch nicht bestätigt.

Bei der zweitägigen Konferenz mit WHO-Chefin Margaret Chan werden die Experten am Donnerstag und Freitag ihre Erfahrungen zusammentragen und über Maßnahmen für die Zukunft beraten. "Wir befinden uns in einem entscheidenden Moment des Kampfes gegen die Humangrippe", sagte der mexikanische Gesundheitsminister José Ángel Córdova. "Deshalb müssen die Regierungen und die internationale Staatengemeinschaft grundsätzlich über die Entwicklung, Herstellung und Verteilung des Impfstoffs entscheiden." Bei der Konferenz soll unter anderem auch darüber beraten werden, wie die beginnende Ausbreitung auf der südlichen Erdhalbkugel eingedämmt werden kann, wo der Winter Einzug hält. Organisatoren des Treffens, an dem auch der chinesische Gesundheitsminister teilnehmen wird, sind Mexiko, die WHO, die USA und Kanada.

Nach Angaben der argentinischen Gesundheitsbehörden hat sich die Zahl der an den Folgen der Schweinegrippe Gestorbenen binnen fünf Tagen fast verdoppelt. Nach Angaben des neuen Gesundheitsministers Juan Luis Manzur vom Mittwoch (Ortszeit) starben bisher 43 bis 44 Menschen an dem neuen Virus H1N1. Die WHO bestätigt bislang 26 Tote.

Gesundheitsexperten gehen davon aus, dass viele Erkrankungen gar nicht erfasst werden, weil die Symptome in vielen Fällen relativ milde sind. Lebensgefährlich kann die Schweinegrippe jedoch für Patienten werden, die durch Vorerkrankungen geschwächt sind oder in äußerst ärmlichen Verhältnissen leben und unter Mangelernährung sowie fehlender medizinischer Versorgung leiden.

Manzur kündigte kurz nach seinem Amtseid die Bereitstellung von einer Milliarde Pesos (188 Millionen Euro) für die Bekämpfung der Epidemie an. Außerdem erhielten Schwangere die Erlaubnis, vorerst nicht zu Arbeit gehen zu müssen. Die Schulen werden landesweit ab kommendem Montag geschlossen bleiben. Die zweiwöchigen Winterferien der Südhalbkugel beginnen damit zwei Wochen früher und dauern nun insgesamt vier Wochen bis zum 3. August. Während sportliche Großveranstaltungen wie Fußballspiele vorerst weiter vor Publikum stattfinden sollen, wurde eine Messe für Kinderbücher kurzfristig abgesagt.

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