Ärzte Zeitung, 15.07.2009

Praxis dicht - das ist kontraproduktiv

Von Christian Beneker

Praxis dicht - das ist kontraproduktiv

Foto: GSK / www.fotolia.de

Zwei Hausarztpraxen in Niedersachsen mussten auf Geheiß zweier Gesundheitsämter schließen. Die Ärztinnen galten als potenzielle Krankheits-Überträger. Im Dunkeln bleibt, warum nur Arztpraxen, nicht aber auch Apotheken, Supermärkte oder Kinos, in denen sich H1N1-Patienten aufgehalten haben, dicht machen mussten. Auch hier kann das Personal die Besucher gefährden.

Doch Praxen sind primär nicht Orte der Gefährdung, sondern der Genesung. Stellten die Beamten sich vor, dass Hausärzte den Mundschutz zur ständigen Arbeitskleidung machen sollten? Außerdem schadete das Verbot der Versorgung. Der Praxis-Kollege im Urlaub, die Vertretung krank - in einem ohnehin schlecht versorgten Gebiet in Niedersachsen waren durch die Arbeitsverbote zeitweise 300 Patienten pro Tag ohne Arzt. Man kann nur hoffen, dass keine Pandemie-Kranken darunter waren. Im Übrigen müssen die betroffenen Kolleginnen sich jetzt mit der Beschaffung der entgangenen Honorare herumärgern.

Immerhin hat die Landesregierung nun die Reißleine gezogen und festgelegt, dass Ärzte im Zweifel nur noch informiert, aber nicht mehr isoliert werden müssen. Gut so. Es wäre fatal, wenn ausgerechnet Hausärzte während einer Pandemie nicht arbeiten dürften.

Lesen Sie dazu auch:
Kein Mundschutz: Behörden machen Arztpraxen dicht
Länder bereiten Verträge für Kauf von Impfstoff vor

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Nach bizarren Szenen in Niedersachsen sind Praxisschließungen erst einmal vom Tisch

 

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder Zweite wartet bis zu drei Wochen auf den Facharzt

Die Ressource Arzt wird knapper – das spiegelt sich in den Wartezeiten wider. Und: Jungen wird die Work-Life-Balance wichtiger. Die Patienten haben dafür oft wenig Verständnis. mehr »

Welche Blutdruckmessung liefert die genaueste Risikovorhersage?

Was ist die zuverlässigste Methode der Blutdruckmessung, um das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod eines Patienten vorherzusagen? Zwei Messungen schnitten in einer aktuellen Studie am besten ab. mehr »

Mammografie-Screening kann sich auch bei Männern lohnen

Männer mit erhöhtem Brustkrebsrisiko profitieren ebenfalls von einer Mammografie-Reihenuntersuchung, wie eine Studie bestätigt. mehr »