Ärzte Zeitung, 10.08.2009

Die Pandemie-Impfungen werden ganz gezielt erfolgen

Paul-Ehrlich-Institut weist Krebsvorwurf zu Pandemie-Impfstoff strikt zurück

NEU-ISENBURG (dpa). Wurde erst die Verträglichkeit der Pandemie-Impfstoffe angezweifelt, treibt die Debatte immer neue Blüten. Der jüngste Vorwurf lautet "Krebs".

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Einige Grippe-Impfstoffe werden zwar über Tumorzelllinien produziert, die Vakzine selbst enthält aber keine Zellen oder DNA.

Foto: T. Brugger©www.fotolia.de

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Professor Johannes Löwer hat Politikeraussagen strikt zurückgewiesen, ein Schweinegrippe-Impfstoff erhöhe das Krebsrisiko. Die WHO habe für jene Impfstoffe, die auf Zellkulturen mit Tumor-Eigenschaften produziert werden, schon vor etwa 20 Jahren ausreichende Regeln aufgestellt, sagte Löwer der Deutschen Presse-Agentur. "Erstens: Die Impfstoffe aus solchen Zellkulturen müssen frei von Zellen sein." Zweitens dürfen sie kein Erbmaterial enthalten.

Dieses werde durch Enzyme so zerkleinert, dass tumorerzeugende Gene "nicht einmal theoretisch" übertragen werden können. "Deswegen sind die Produkte aus solchen Zellkulturen sicher", so Löwer. Die meisten Schweinegrippe-Impfstoffe würden bisher ohnehin in nicht über Zellkulturen, sondern in Hühnereiern produziert.

Bei den derzeitigen Verläufen der Schweinegrippe die gesamte Bevölkerung zu impfen, hält Löwer nicht für gerechtfertigt. Die Impfung werde daher zunächst Risikogruppen angeboten. Das sind medizinisches Personal, chronisch Kranke und Schwangere. Offizielle Empfehlungen der Impfkommission STIKO werde es erst in einigen Wochen geben.

Lesen Sie dazu auch:
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