Ärzte Zeitung online, 11.08.2009

Schweinegrippe verlängert Wartezeit in Notaufnahme

HAMBURG (dpa). Aus Sorge, sich mit Schweinegrippe angesteckt zu haben, suchen derzeit etliche Menschen täglich Notaufnahmen auf - und sorgen manchmal für längere Wartezeiten. Im Benjamin-Franklin-Klinikum der Berliner Charité etwa melden sich im Tagesverlauf zwischen 5 und 30 Menschen mit derlei Bedenken. Am Wochenende und in den Abendstunden steige die Zahl, sagte Oberarzt Bernd Leidel. Die wenigsten der Patienten seien tatsächlich infiziert.

Die Verdachtsfälle verlängerten zumindest zeitweise die Wartezeiten, Menschen mit starken Beschwerden würden aber vorgezogen. Leidel appellierte, bei Grippesymptomen den Hausarzt aufzusuchen. "Die Notaufnahme ist für Menschen mit schwersten und lebensgefährlichen Erkrankungen und Verletzungen da." Im stark von der Schweinegrippe betroffenen Nordrhein-Westfalen werden Verdachtsfälle meist direkt an die spezialisierten Institute weitergeleitet. Die Universitätsklinik Düsseldorf hat dafür zum Beispiel eine Infektionsstation, in der es derzeit viel zu tun gebe, sagte eine Sprecherin.

Im Klinikum rechts der Isar in München, einem der größten Krankenhäuser der Stadt, kämen derzeit nur etwa ein bis zwei Patienten täglich mit Schweinegrippe-Befürchtungen, sagte eine Sprecherin. "Es ist schon spürbar, aber es ist nicht so, dass die Arbeitsabläufe dadurch gestört würden." Die Leute müssten getrennt von den anderen Patienten warten. Sollten mehr Patienten kommen, gebe es einen Notfallplan, hieß es.

In Hamburg hatte das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) Ende Juli extra Container als Schweinegrippe-Ambulanz aufgestellt. "Nur wer nachts mit Verdacht auf H1N1 als Notfall kommt, kommt in die Notaufnahme", sagte eine UKE-Sprecherin. Die Ambulanz werde im Schnitt von 30 Menschen pro Tag aufgesucht. In die Notaufnahme kämen montags bis freitags im Mittel 150 bis 180 Patienten täglich.

In der Medizinischen Hochschule in Hannover suchen rund zehn Prozent der täglich etwa 100 Notfall-Patienten wegen des Verdachts auf Schweinegrippe die ambulante Notversorgung der Klinik auf. Wie in vielen anderen Kliniken wird die Situation aber dennoch als entspannt beschrieben. "Es ist völlig ruhig an der Front. Ich denke, die meisten gehen einfach zum Hausarzt oder bleiben zu Hause", sagte eine Sprecherin am Montag in Hannover. Auch beim Krankenhaus St. Georg in Leipzig hieß es, es gebe noch keine Engpässe. Die Leipziger seien sehr besonnen, sagte Oberarzt Thomas Grünewald.

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