Ärzte Zeitung online, 24.08.2009

Schweinegrippe nun auch bei Vögeln

SANTIAGO DE CHILE (dpa). Der Schweinegrippe-Erreger ist nach Angaben der chilenischen Landwirtschaftsbehörde SAG erstmals auch bei Vögeln nachgewiesen worden. Bei den betroffenen Tieren handele es sich um Puten auf einem Hof in der Nähe der Stadt Valparaíso, berichteten nationale Medien unter Berufung auf die Behörden.

Der Hof wurde unter Quarantäne gestellt. Tests hätten ergeben, dass es sich bei dem Virus um den Subtyp A/H1N1 2009 handele. Dies sei der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) gemeldet worden. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO befasste sich nach diesen Angaben am Freitag mit der Meldung aus Chile.

Bisher war die Schweinegrippe außer beim Menschen nur in seltenen Fällen bei Schweinen aufgetreten. In einem Mastbetrieb in Kanada und einem in Argentinien waren Tiere von dem Erreger befallen worden. Die Ansteckung von Schweinen gilt als gefährlich, weil sich der Erreger möglicherweise mit anderen in dem erkrankten Tier vorhandenen Viren zu neuen Varianten mischen kann. Trotz der Bezeichnung Schweinegrippe sind bisher fast nur Menschen an der neuartigen Grippe erkrankt. Nach offiziellen Angaben starben bisher weltweit 1799 Menschen an den Folgen der Krankheit.

Nach Einschätzung der OIE ist das Auftreten der Schweinegrippe in der Geflügelzucht in Chile kein Grund zur Panik. "Am wahrscheinlichsten ist die Hypothese, dass die Tiere von Menschen angesteckt wurden", sagte die OIE-Vizechefin Monique Eloit der dpa in Paris. So ein Fall sei "zu erwarten" gewesen. Man müsse die Entwicklung beobachten.

In Chile gebe es eine hohe Zahl mit H1N1 infizierter Menschen mit vielen Kranken- und Todesfällen. Da sei eine Infektion von Zuchttieren irgendwann zu erwarten gewesen. Da Grippe bei Geflügel stark verbreitet sei, würden die Betriebe eng überwacht und es stünden viele Informationen zur Verfügung.

Die Gefahr einer Kombination von Vogelgrippeerregern und dem H1N1-Virus sei zwar nicht auszuschließen. So etwas sei aber immer und überall bei Menschen wie Tieren möglich, sagte Eloit. Auch das H1N1-Virus ist aus Elementen von Vogel-, Schweine- und Menschenviren kombiniert.

Das H1N1 verursache eine Pandemie bei Menschen und nicht bei Tieren, sagte Eloit. "Manchmal werden die Viren auch auf Tiere übertragen. Eine riesige Menschenmenge transportiert das Virus und ab und zu werden auch Tiere infiziert." Das sei auch bei den Schweinen so gewesen, sagte Eloit. "Nur in drei Ländern gibt es isolierte Fälle von Infektionen von Schweinen. Das ist ganz ruhig."

Die Lage sei anders als bei der Vogelgrippe, sagte Eloit. Da sei das Virus in Tausenden Zuchtbetrieben unter Vögeln verbreitet worden. In isolierten Einzelfällen seien Menschen erkrankt und leider sogar gestorben.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Mexikanische Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alltags-Chemikalien schaden dem Sperma

In einer Studie an Spermien haben Forscher schädliche Effekte von Alltagschemikalien festgestellt. Problematisch: Die Einzelstoffe potenzieren ihre Wirkung gegenseitig. mehr »

Nervenärzte schlagen Alarm

Der Spitzenverband ZNS ist besorgt: Die Versorgung von Demenz-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten gerate in Gefahr, warnen die Nervenärzte. mehr »

Das läuft falsch bei der Diabetes-Vorsorge

Viele Versuche, Diabetes und Adipositas vorzubeugen, sind zum Scheitern verurteilt: Gesundheitstage an Schulen und eine Zuckersteuer gehören dazu. Diabetes-Experte Prof. Stephan Martin würde die Ressourcen anders verteilen. mehr »