Ärzte Zeitung, 14.09.2009

Foto GSK, www.fotolia.de

Keine Resistenzen gegen Oseltamivir bekannt

Gegen das pandemische H1N1-Virus ist der Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu®) voll wirksam. Die gegen das saisonale H1N1-Virus beobachteten Resistenzen des Wirkstoffes waren natürlicher Art und nicht durch den Wirkstoff induziert.

Von Susanne Heinzl

BASEL. Der Neuraminidasehemmer Oseltamivir hat sich zur Prävention und Therapie bei saisonaler Influenza bewährt, hat David Reddy, Leiter der Pandemie-Taskforce bei einer Veranstaltung von Hoffmann La-Roche in Basel erinnert. Bemerkenswert ist nach seinen Angaben vor allem, dass nach Studienergebnissen Oseltamivir die Hospitalisierungsraten um 61 Prozent verringert hat.

Auch bei der Vogelgrippe ist die Substanz wirksam

Auch bei der gefährlichen H5N1-Infektion hat sich nach den Daten des Vogelgripperegisters der Neuraminidasehemmer bewährt. Von 21 nicht behandelten Patienten mit Vogelgrippe sind dabei 14 gestorben (67 Prozent). Zum Vergleich: Von 49 mit dem Wirkstoff behandelten Patienten sind 15 gestorben (30 Prozent). Die Sterberate wurde also halbiert.

In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über die Verträglichkeit des Neuraminidasehemmers bei Kindern diskutiert. Nach Studienergebnissen seien aber unerwünschte Wirkungen bei Oseltamivir-Therapie ähnlich häufig wie bei Placebo-Therapie. Bemerkenswert sei, dass es auch bei besonders empfindlichen Kindern mit Asthma keine nachteiligen Effekte auf die Lungenfunktion gegeben habe. Zwei große US-Datenbanken belegten, dass das Risiko für neuropsychiatrische Symptome bei Kindern durch den Neuraminidasehemmer nicht erhöht werde. Die Symptome Verwirrtheit oder delirante Zustände seien Folgen der Grippe.

Unerwartet traten 2007/2008 in Europa resistente saisonale H1N1-Viren auf. Es ist aber unwahrscheinlich, dass diese Resistenz durch Oseltamivir induziert wurde, weil zum einen die Patienten, bei denen das Virus isoliert worden war, den Wirkstoff nicht genommen hatten und zum anderen die resistenten Viren zuerst in Ländern auftraten, in denen nur wenig des Neuraminidasehemmers eingesetzt worden war. Das pandemische H1N1-Virus unterscheidet sich genetisch stark vom saisonalen Oseltamivir-resistenten H1N1-Virus. Das pandemische Virus ist auf die Substanz voll empfindlich.

Die Resistenzentwicklung wird intensiv überwacht

In mehreren Studien und Registern wird die Resistenzentwicklung engmaschig überwacht. Darüber hinaus wird die Anwendung von Oseltamivir bei Patientengruppen intensiv untersucht, so bei Kindern unter einem Jahr, Frauen in Schwangerschaft und Stillzeit, übergewichtigen Personen, Patienten mit eingeschränkter Immunantwort und schwer kranken Patienten. In sechs Studien werden zudem Wirksamkeit und Verträglichkeit unterschiedlicher Dosierungen und Dauer der Therapie bei Patienten mit Schweinegrippe-Infektion erhoben.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Erdnuss-Immuntherapie löst häufiger Anaphylaxie aus

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »