Ärzte Zeitung online, 27.10.2009

Kinderärzte beklagen Regressdrohung bei Schweinegrippe-Impfung

ZWEIBRÜCKEN/MAINZ (dpa). Die Ärzte in Rheinland-Pfalz sollen für jede nicht von ihnen verbrauchte Dosis des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe Schadenersatz zahlen. Das sehe der Impfvertrag vor, den die Krankenkasse AOK an die Ärzte verschickt habe, teilte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Rheinland-Pfalz am Dienstag mit.

"Der Druck, der damit auf die Ärzte ausgeübt wird, ist für diese Impfaktion kontraproduktiv", sagte der rheinland-pfälzische Verbandssprecher Christian Neumann.

Der Impfstoff wird in Ampullen mit jeweils zehn Impfdosen ausgeliefert. Ist eine Ampulle einmal angebrochen, dann müssen die zehn Dosen innerhalb von 24 Stunden aufgebraucht werden. Pro erfolgter Impfung bekommen die Ärzte ein Honorar von sechs Euro bezahlt, pro nicht verbrauchter Dosis sollen sie der Kasse neun Euro zahlen.

Neumann macht nun folgende Rechnung auf: Wenn von zehn potenziellen Patienten vier nicht zur Impfung kämen oder es sich nach dem Beratungsgespräch anders überlegten, bekomme der Arzt schon kein Geld mehr. Er hätte zwar Anspruch auf sechsmal sechs Euro Honorar, müsste aber zugleich viermal neun Euro Regress zahlen.

Neumann betonte, kein Arzt wolle sich an der Schweinegrippe- Impfung bereichern. "Der angedrohte Regress macht es jedoch für die meisten wahrscheinlich, dass sie jetzt sogar draufzahlen, wenn sie den Vertrag mit der AOK unterschreiben." Schon das Honorar von sechs Euro je Impfung mache eine kostendeckende Durchführung der Impfaktion eigentlich kaum möglich.

Lesen Sie dazu auch:
Protest gegen Regressandrohung erfolgreich

www.kinderaerzte-im-netz.de

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »