Ärzte Zeitung online, 02.11.2009
Update 03.11.2009, 10:28 Uhr: Todesursache war offenbar nicht in allen Fällen die Schweinegrippe, sondern teilweise die saisonale Grippe. Bei elf der 60 Toten wurde das neue H1N1-Virus nachgewiesen.

Hilferuf der Ukraine - Schweinegrippe bedroht die nationale Sicherheit

KIEW (dpa). Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko hat angesichts der schweren Schweinegrippe-Epidemie in seinem Land die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Die Krankheit werde zu einer Bedrohung der nationalen Sicherheit, schrieb der Staatschef an die EU und die Regierungen der benachbarten Länder. Die Ukraine sei allein nicht in der Lage, das Problem zu lösen.

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Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko nimmt Montagfrüh am Flughafen in Kiew eine Hilfssendung mit 16 Tonnen Tamiflu® in Empfang.

Foto: dpa

Bis Montagmorgen war die Zahl der Todesopfer auf 60 gestiegen, darunter auch mehrere Ärzte. Insgesamt sind nach Angaben des Kiewer Gesundheitsministeriums vom Montag 191 000 Menschen infiziert. Täglich kommen mehrere tausend Kranke hinzu. 83 000 Kinder sind erkrankt.

Besonders stark betroffen ist die Region um Lwiw, dem ehemaligen Lemberg, im Nordwesten nahe der Grenze zu Polen.

Seit Freitag herrscht in der Ukraine der Ausnahmezustand. Das Fernsehen zeigte am Wochenende Bilder von leeren Straßen und Geschäften in den Großstädten. Die Regierung schloss landesweit Schulen und Kindergärten für drei Wochen. Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen sind verboten.

Juschtschenko ordnete an, dass umgehend mehr Schutzmasken produziert werden müssten. Der Bedarf liegt bei einer Million Masken pro Tag. Nach Panikkäufen in Apotheken waren in vielen Städten weder Schutzmasken noch Medikamente zu bekommen. In einer der größten Apotheken der Kiewer Innenstadt verlangen Verkäufer 500 Dollar (337 Euro) für eine Packung Tamiflu®. Das ist das Zehnfache des Normalpreises.

In der Nacht zum Montag landete eine Sondermaschine aus der Schweiz in Kiew und brachte eine Hilfslieferung mit 16 Tonnen Tamiflu®. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko nahm die Hilfssendung des Herstellers Roche in Empfang.

Gestern Morgen traf eine Delegation der WHO in Kiew ein, die vor allem in der westliche Ukraine die Lage einzuschätzen und den Hilfebedarf in Kliniken und Ärztezentren zu ermitteln.

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