Ärzte Zeitung online, 07.11.2009

Virologe: Risikogruppen sollten Karneval wegen Schweinegrippe meiden

KÖLN (dpa). Vor Beginn der Karnevalssaison am 11.11. hat ein Experte vor einem erhöhten Schweinegrippe-Risiko bei Großveranstaltungen gewarnt. "Man wäre eigentlich gut beraten, wenn man in diesen Zeiten solche Massenveranstaltungen meidet", sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln, Professor Herbert Pfister.

Dies gelte vor allem für Menschen, die zu gefährdeten Gruppen gehören, etwa chronisch Kranke, Patienten mit Immunschwäche sowie Schwangere. "Denen würde ich wirklich nicht empfehlen, sich am 11. November in den Trubel zu stellen", sagte Pfister n einem Gespräch mit der dpa.

Am Mittwoch, den 11. November, werden in den Karnevalshochburgen wieder zehntausende Narren in den Karnevalshochburgen erwartet. Auf Schunkeln und "Bützchen" - das Küssen auf die Wange - müssten die Feiernden aber nicht verzichten, meinte Pfister: "Ein Bützchen auf die Wange birgt wahrscheinlich kein höheres Übertragungsrisiko, als wenn man aus einem Meter Entfernung von jemandem angehustet wird."

Es sei auch nicht erforderlich, dass die Besucher der Veranstaltungen einen Mundschutz tragen. Wichtig sei es aber, die üblichen Hygienetipps zu beachten, sich also zum Beispiel häufiger die Hände zu waschen. "Und man sollte möglichst nur aus seinem Kölsch-Glas trinken und nicht aus dem des Nachbarn."

Unbestreitbar sei die Schweinegrippe derzeit deutlich auf dem Vormarsch, sagte Pfister. Die Zahl der positiven Befunde, die im Institut für Virologie in den vergangenen Tagen ermittelt wurden, habe sich im Vergleich zur Vorwoche versechsfacht. "Die Ausbreitung ist massiv." Das Virus verbreitet sich über Tröpfcheninfektion.

Generell bestehe bei jeder Art von Massenveranstaltungen ein erhöhtes Risiko, mit dem Virus in Kontakt zu kommen. "Das gilt überall, wo Menschen auf engem Raum zusammen sind, sei es nun Karneval oder Fußball." In geschlossenen Räumen oder bei Wetter mit hoher Luftfeuchtigkeit könne sich das Virus besonders gut verbreiten.

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