Ärzte Zeitung online, 04.12.2009

Droht neue Schweinegrippe-Welle?

BERLIN (dpa). Die Bundesregierung hat vor einer möglichen neuen Welle bei der Schweinegrippe gewarnt. "Es ist wichtig, sich zu schützen", sagte Gesundheits-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (CDU) am Freitag in Berlin. Es gebe immer weitere Neuerkrankungen. Nur in einigen Regionen stagnierten die Zahlen.

Unklar sei noch, ob der Höhepunkt der aktuellen Welle überschritten sei. "Wir schließen nicht aus, dass es eine weitere Welle gibt", sagte Widmann-Mauz.

Das Virus verbreite sich deutlich früher als die Erreger in normalen Grippe-Saisons. Für den gesamten Winter könne noch keine Entwarnung gegeben werden. Die mittlerweile knapp sechs Millionen Impfungen reichten nicht für eine Grundimmunisierung der Bevölkerung aus. 182 000 Krankheitsfälle seien bundesweit gemeldet, die Dunkelziffer sei hoch.

Von den 77 Menschen, die bislang an Schweinegrippe gestorben seien, hätten 63 schwere Vorerkrankungen gehabt, berichtete Widmann-Mauz. Die Todesrate liege zwar etwas unter der bei saisonaler Grippe, doch seien mit Schwerkranken und Kindern andere Bevölkerungsgruppen betroffen. Experten hatten immer wieder davor gewarnt, dass das Virus mutieren und somit Krankheitsverläufe gravierender ausfallen könnten.

Für Schwangere gebe es bis Mitte Dezember Impfstoff ohne Wirkungsverstärker. 150 000 Dosen würden bei einem australischen Unternehmen bestellt. Dies werde für eine sehr gute Versorgung der Schwangeren reichen, sagte Widmann-Mauz. Nach Absprache mit dem Arzt könnten Schwangere sich auch mit dem Impfstoff Pandemrix®, der Verstärkerstoffe enthält, impfen lassen.

Über die Hälfte aller Menschen mit Atemwegserkrankungen hätten derzeit die Neue Grippe. Das saisonale Grippevirus sei hingegen noch nicht nachgewiesen worden. Impfen sei nach wie vor wichtig, mahnte Widmann-Mauz. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte sich am Vortag eine entsprechende Spritze verabreichen lassen. Nur wenn bei Kranken das Schweinegrippe-Virus tatsächlich nachgewiesen wurde, sollten sie von einer Impfung absehen, teilte das Gesundheitsressort mit. Insbesondere Eltern kleiner Kinder sowie Kinder ab sechs Monaten und Jugendliche sollten verstärkt geimpft werden, da diese ein besonders hohes Erkrankungsrisiko trügen.

Bis Ende November seien 9,6 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden. Bis Ende Dezember würden es 20 Millionen sein. An diesem Montag trifft Rösler mit Ärzte-, Krankenkassen- und Klinikvertretern zu Beratungen zusammen, um gemeinsam die Massenimpfung weiter voranzutreiben.

Die Behörden erwägen nach Angaben von Widmann-Mauz, nicht gebrauchte Impfdosen an bedürftige Staaten abzugeben, doch sei es für eine Entscheidung darüber noch zu früh.

Weitere aktuelle Berichte, Bilder und Links zum Thema Schweinegrippe (Neue Grippe) finden Sie auf unserer Sonderseite

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »