Ärzte Zeitung online, 30.12.2009

MHH: Noch immer keine Entwarnung bei der Schweinegrippe

HANNOVER (eb). Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) gibt bei der Schweinegrippe noch keine Entwarnung. Über die Weihnachtsfeiertage wurden drei neu infizierte Patienten in die MHH eingeliefert, eine 55-Jährige starb am Wochenende an den Folgen der Schweinegrippe-Infektion.

MHH:
Noch immer keine Entwarnung bei der Schweinegrippe

Die MHH empfiehlt nach wie vor die Impfung gegen Schweinegrippe zur Prophylaxe.

Foto: © Outstyle / fotolia.com

Eine der drei neu infizierten Patienten hatte keine Vorerkrankung, die beiden anderen, ein Mann und die 55-jährige Frau, hatten schwere Vorerkrankungen. Professor Matthias Stoll, Oberarzt der Klinik für Immunologie und Rheumatologie, betonte in einer Mitteilung der MHH, dass der beste verfügbare Schutz vor der Schweinegrippe nach wie vor die Impfung sei. Derzeit ist davon auszugehen, dass bereits eine Impfdosis ausreicht.

Vorbeugend eingenommene Medikamente wie Neuraminidasehemmer, zum Beispiel Tamiflu® wirkten nur so lange, wie sie eingenommen werden. Außerdem könne es zu Resistenzen kommen.

"Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen nahm in den vergangenen Wochen zwar ab, doch wir wissen nicht, ob auf diese auslaufende Welle nicht, wie bei früheren Grippe-Pandemien auch, noch eine zweite Welle folgen wird. Zudem werden, anders als zu Beginn der Pandemie, jetzt nur noch die schwereren Fälle überhaupt getestet und gemeldet, sodass unsere Statistiken sicher nur einen Teil der Fälle erfassen", so Stoll.

"Seit Beginn der Erkrankungswelle im Oktober haben die Intensivmediziner der MHH bislang 19 an der Schweinegrippe schwerst erkrankte Erwachsene und vier Kinder aus anderen Kliniken übernommen und behandelt", sagte MHH-Sprecher Stefan Zorn. Derzeit werden noch vier Patienten aus ganz Niedersachsen auf der Intensivstation künstlich beatmet (Stand 30. Dezember).

Die meisten Patienten konnten mittlerweile auf eine Normalstation verlegt oder bereits nach Hause entlassen werden - darunter auch drei Kinder. Allerdings sind bislang auch sieben Patienten an der Infektion gestorben, darunter ein Kind.

"Bei vielen der Patienten hat die H1N1-Virusinfektion ein so schweres Lungenversagen hervorgerufen, dass sie neben der künstlichen Beatmung auch eine Herz-Lungenmaschine benötigen", sagte Zorn. Viele der Patienten im Alter von 10 bis 59 Jahren litten nach Angaben der Mediziner an keiner relevanten Vorerkrankung.

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