Ärzte Zeitung online, 30.12.2009

Schweinegrippe-Impfung bei Rheuma: "Bislang keine Auffälligkeiten"

Berlin (eb). Abseits der Kontroverse über den Sinn einer Schweinegrippe-Impfung beruhigt nach mehr als einem Monat Impferfahrung zumindest eine Tatsache: Patienten mit rheumatischen Erkrankungen haben keine anderen Impfreaktionen als gesunde Menschen, sagt Professor Klaus Krüger, Rheumatologe aus München.

Schweinegrippe-Impfung bei Rheuma: "Bislang keine Auffälligkeiten"

Patienten mit schweren rheumatischen Krankheitsverläufen und solche mit immunsuppressiver Therapie sollten geimpft werden, empfehlen Rheumatologen.

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Anfang Oktober hatte die Kommission Pharmakotherapie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRH) eine Impfempfehlung gegen die Schweinegrippe für Rheumapatienten ausgesprochen.

Der Stellungnahme voraus ging die Frage, ob Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zum Kreis der chronisch Kranken zählen, die vorrangig zu impfen sind. Denn nach Aussage der Ständigen Impfkommission (STIKO) hätten sie ein hohes Risiko für besonders schwere Grippeverläufe.

Der Umstand, dass es keine Studien zu Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung bei immunsupprimierten Patienten gab, hat Ärzte und Betroffene jedoch verunsichert. Groß waren die Bedenken, ob der Nutzen das Risiko von Krankheitsschüben rechtfertigt.

Auf etwas Anderes als Erfahrung können Rheumatologen im Moment auch nicht setzen, da systematische Untersuchungen immer noch fehlen. Das sei ein großes Loch, sagt Krüger und meint damit nicht nur Untersuchungen zu den Nebenwirkungen. Auch ob sich ein ausreichender Impfschutz unter Immunsuppressiva aufbaut, ist nicht explizit untersucht.

Trotzdem gilt seine Empfehlung aus der Stellungnahme nach wie vor: Patienten mit schweren rheumatischen Krankheitsverläufen und solche mit immunsuppressiver Therapie sollten geimpft werden - der Großteil der Patienten also. Die Bereitschaft bei den Betroffenen dazu sei da. "Neun von zehn Patienten lassen sich impfen, mehr als ich vermutet habe", sagt Kommissionsprecher Krüger.

Auch von Seiten der Rheumatologen befürworten nach Krügers Meinung die meisten die Impfung, die Mehrheit impft durchaus selbst in den Praxen. "Wenn genügend Impfärzte in der Umgebung ansässig sind, kann man sich den Aufwand natürlich sparen. Auf dem Land hingegen muss sowieso jeder impfen."

Trotz aller Bedenken in puncto Impfung, die wohl die gesamte Öffentlichkeit in den vorangegangenen Wochen beschäftigte, begann am 26. Oktober bundesweit die Immunisierung der Bevölkerung. Seither, so schätzt das Paul-Ehrlich-Institut, sind schon 4,6 bis 6,7 Millionen Dosen Pandemrix® verimpft worden. Von Routine kann trotzdem keine Rede sein. Für Ärzte und Patienten stellt sich nach wie vor die Frage: Impfen oder nicht?

Nach wie vor müssen die Ärzte gemeinsam mit dem Patienten besprechen, ob die Impfung indiziert ist und ob der Nutzen die Risiken überwiegt. Denn allgemeingültige Handlungsempfehlungen gibt es auch nach mehr als einem Monat Impferfahrungen nicht. Die Mehrbelastung nimmt Krüger im Moment in Kauf. "Das ist ja nur vorübergehend."

So freimütig sieht das vermutlich nicht jeder Rheumatologe. Denn diese Beratungsleistung wird nicht extra bezahlt, sondern fällt unter die Quartalspauschale.

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