Ärzte Zeitung online, 23.04.2010

Wird Impfstoff gegen Schweinegrippe im Herbst wieder verwendet?

HANNOVER/LANGEN (dpa). 283 Millionen Euro hat sich Deutschland das Impfserum gegen die Schweinegrippe kosten lassen. Nachdem sich jedoch nur rund sieben Prozent der Deutschen impfen lassen wollten, lagern in ganz Deutschland noch schätzungsweise 28 Millionen Impfdosen und warten auf ihre weitere Verwendung - oder ihren Verkauf ins Ausland.

Viele der bundesweit rund 28 Millionen übrig gebliebenen Schweinegrippe-Impfdosen werden voraussichtlich im kommenden Herbst genutzt. "Die EU-Seuchenbehörde ECDC hält es für wahrscheinlich, dass die Viren in der kommenden Saison vorherrschend sein werden", sagte die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, Susanne Stöcker, in Langen bei Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zur weiteren Verwendung benötige der Impfstoff Pandemrix® jedoch eventuell eine erweiterte Zulassung von der EU- Kommission.

Die Neuzulassung wird nötig, wenn die WHO entscheidet, dass es sich bei der Schweinegrippe nicht mehr um eine Pandemie, sondern um eine saisonale Grippe handelt. Aufgrund der bereits gesammelten Zahlen und Daten zu dem Impfstoff erwarten Experten hier jedoch keine Probleme.

Ein Einsatz von Schweinegrippe-Impfstoff gegen die klassische Grippe ist dagegen ausgeschlossen. "Pandemrix® kann nicht in den Impfstoff gegen die gewöhnliche Grippe eingebaut werden", betonte Stöcker. Dieser Impfstoff werde für die Saison 2010/2011 aus drei Stämmen völlig neu entwickelt: Grippeviren der Typen B, H3N2 und H1N1 (Schweinegrippe). Pandemrix® sei ein fertiger Impfstoff auf Grundlage der H1N1-Viren, der sich jedoch nicht mehr in eine der drei benötigten Komponenten zurückentwickeln lasse.

Unterdessen scheint der Weiterverkauf der Impfdosen ins Stocken geraten. Verhandlungen der Bundesländer unter der Federführung Niedersachsens mit den potenziellen Abnehmerländern Irak und Pakistan seien vorerst gescheitert, sagte ein Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums in Erfurt. Weiterverkauf scheiterte an "Zahlungsunwillen" der Interessenten

Nach Thomas Spieker, dem Sprecher des niedersächsischen Gesundheitsministeriums, waren die Verhandlungen an dem "Zahlungsunwillen der Vertragspartner gescheitert". Die jetzt noch übrigen 28 Millionen Impfdosen haben einen Wert von rund 230 Millionen Euro. Die Verhandlungen seien keine "Entwicklungshilfe".

"Im Moment finden keine neuen Verhandlungen statt", sagte Spieker. Derzeit gebe es weltweit keine wirklichen Bedrohungsszenarien. Daher sei das Interesse derzeit deutlich zurückgegangen. Von einem gescheiterten Verkauf zu sprechen wäre aber dennoch falsch.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Tauber (SPD) forderte den Bund auf, einen Teil der Impfstoffkosten zu übernehmen. Die Länder seien damals zum Kauf entsprechender Mengen gedrängt worden. "Deshalb kann sich der Bund jetzt nicht aus der Verantwortung stehlen", wurde sie von ihrem Sprecher zitiert. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für tatsächlich verabreichte Impfungen.

Insgesamt hatten die Bundesländer im vergangenen Jahr zunächst 50 Millionen Impfdosen eingekauft und die Menge später auf 34 Millionen Dosen im Wert von 283 Millionen Euro heruntergehandelt.

Vorhersage der ECDC

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