Ärzte Zeitung online, 07.10.2011

Transparency fordert Aufarbeitung des Schweinegrippen-Fehlalarms

BERLIN (dpa). Die Antikorruptionsorganisation Transparency International (TI) Deutschland hat die Aufarbeitung des Schweinegrippen-Fehlalarms aus dem Jahr 2009 gefordert.

In einem Offenen Brief an den Vorsitzenden der Gesundheitsministerkonferenz, den hessischen Sozialminister Stefan Grüttner (CDU), bittet sie um Auskunft darüber, welche Kosten Bund, Ländern und Kassen durch den damaligen Fehlalarm entstanden sind.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte 2009 wegen der Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe ausgerufen und damit eine weltweite Impfaktion ausgelöst.

Transparency will wissen, warum es kein Gremium gab

Diese wurde für die Pharmaindustrie nach Einschätzung von Kritikern zum Milliardengeschäft. Allerdings erwies sich das H1N1-Virus dann im Vergleich zu üblichen saisonalen Grippeerkrankungen als relativ harmlos.

Transparency will auch wissen, warum bislang kein Gremium eingesetzt wurde, um Lehren aus dem Fehlalarm zu ziehen.

"Aufarbeitung ist überfällig"

Nach den Worten von TI-Deutschland-Vorstandsmitglied Wolfgang Wordarg haben die verantwortlichen Stellen "nicht-haltbare Risikoeinschätzungen zum Verlauf der Schweinegrippe veröffentlicht. Nach zwei Jahren ist es noch immer nicht zu einer Aufarbeitung gekommen. Diese ist überfällig."

TI Deutschland hat nach eigenen Angaben schon im September 2009 potenzielle Interessenkonflikte und intransparente Entscheidungsprozesse bei der Ständigen Impfkommission sowie die Finanzierung der europäischen Zulassungsbehörde zu fast zwei Dritteln durch die pharmazeutische Industrie kritisiert.

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