Ärzte Zeitung, 10.11.2004

Tbc-Patienten brauchen neue Medikamente

Resistenzen gegen gängige Wirkstoffe nehmen immer mehr zu / Behandlung ist oft nicht durchzuhalten

MIAMI (eis). Bei Tuberkulose tickt eine Zeitbombe, sagt "Ärzte ohne Grenzen". Seit mehr als 30 Jahren sind keine neuen Medikamente mehr gegen Tbc entwickelt worden. Gegen gängige Tuberkulostatika werden weltweit immer mehr Erreger resistent.

Nach dem Global-Report 2004 der Weltgesundheitsorganisation zu Multi-Drug-Resistent (MDR) TB sind etwa in Kasachstan und Israel bereits bei 14 Prozent der Neuerkrankten die Keime gegen mindestens zwei Tuberkulostatika resistent gewesen, in Estland bei zwölf Prozent und in Litauen bei neun Prozent. Bei Wiedererkrankungen gab es in Kasachstan bereits bei 58 Prozent und in Litauen bei 53 Prozent MDR-TB.

"Diese Patienten können nur noch wirksam mit Medikamenten zweiter Wahl behandelt werden", wie Dr. David Olson von "Ärzte ohne Grenzen" aus New York jetzt beim Tropenmediziner-Kongreß in Miami in Florida berichtet hat.

Patienten mit MDR-TB müssen 18 bis 24 Monate mit drei bis vier Substanzen behandelt werden, inklusive einer sechsmonatigen Therapie mit Injektionen. Die Heilungschancen betragen nach Angaben von Olson 61 bis 82 Prozent, doch sei die Behandlung bei vielen Patienten nicht durchzuhalten. Resistenzen nähmen auch bei Medikamenten zweiter Wahl zu.

Weltweite Initiativen wie die Global Alliance for TB Drug Development wollen die Entwicklung neuer Tbc-Medikamente jetzt vorantreiben. Unter anderem sollen Antibiotika wie Moxifloxacin oder Makrolide auf ihre Eignung gegen Tbc geprüft werden, hieß es.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »