Ärzte Zeitung online, 12.09.2008

Neuer Impfstoff gegen Tuberkulose wird jetzt in Deutschland getestet

NEUSS (eb). Nach über 80 Jahren hat in Deutschland zum ersten Mal ein viel versprechender Lebendimpfstoff gegen Tuberkulose den Schritt in die klinische Prüfung geschafft: Seit Montag dieser Woche wird der neue Impfstoff mit der Bezeichnung VPM 1002 in der klinischen Phase I in Neuss an freiwilligen Probanden auf seine Sicherheit getestet.

Der neue Impfstoff basiert auf einer seit 1921 eingeführten und sehr sicheren Vakzine. Gentechnisch ist die Impfung so weiter entwickelt worden, dass sie wesentlich wirksamer eine Infektion mit Tuberkulose-Bakterien verhindert als der Vorgänger.

Der Impfstoff wurde mit einem Gen aus einer anderen Bakterien-Art verstärkt

Der abgeschwächte Impfstoff wurde gentechnisch so verändert, dass er die körpereigene Abwehr stimuliert. Dafür wurde ein Gen aus anderen Bakterien, Listerien, in den Impfstoff eingebaut. Fresszellen des menschlichen Immunsystems nehmen den Impfstoff sofort auf. Dort landen sie in Verdauungsbläschen. Dank der gentechnischen Modifikation können sich die Bakterien aus den Bläschen befreien. So gelangen sie mitten in der Immunzellen -und die alarmieren das restliche Immunsystem, das nun gegen echte Tuberkulose-Erreger gewappnet wird.

Im Tierversuch war der Impfstoff bereits erfolgreich

Bisher hat sich der VPM 1002 im Tiermodell als äußerst wirksam und sicher erwiesen. "Dieser gute Schutz muss nun auch am Menschen nachgewiesen werden, damit der Impfstoff reif für die eigentliche Zulassung wird", erläutert der Geschäftsführer der Vakzine Projekt Management GmbH VPM), Bernd Eisele.

VPM koordiniert die anwendungsorientierte Entwicklung von Impfstoffen. Es handelt sich dabei um eine öffentlich-private Partnerschaft, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2002 gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung angeregt hat.

Mit finanzieller Förderung des BMBF hat das Unternehmen den neuen Tuberkuloseimpfstoff vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie lizenziert.

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