Ärzte Zeitung online, 03.04.2009

15 Milliarden US-Dollar für Kampf gegen Tuberkulose

PEKING (dpa). Im Kampf gegen Tuberkulose wollen 27 Nationen rund 15 Milliarden US-Dollar (11,2 Milliarden Euro) mobilisieren, um allen Patienten bis 2015 die Behandlung zu ermöglichen. Zum Abschluss einer dreitägigen internationalen Fachkonferenz in Peking warnten die teilnehmenden Gesundheitsminister in einem eindringlichen Appell besonders vor einem "alarmierenden" Anstieg der Fälle mit multiresistenten Tuberkulose-Erregern.

Es wurde vereinbart, bestehende Hindernisse für eine Behandlung zu beseitigen, die Versorgung mit Medikamenten zu sichern, Personal auszubilden und Labor-Kapazitäten zu stärken.

   "Wir brauchen die Aufmerksamkeit auf hoher politischer Ebene, weil nationale Tuberkulose-Programme diese neuen Bedrohungen nicht mehr alleine meistern können", sagte die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan. Die Welt stecke bereits in einer prekären Situation, die Verbreitung der resistenten Erreger verlangsamen zu müssen. Die Behandlung solcher Fälle könne bis zu 200 mal mehr kosten. Tuberkulose ist weltweit die bakterielle Infektionskrankheit mit den meisten Todesfällen.

   Die Minister sicherten zu, sich dafür stark zu machen, dass über die nächsten sechs Jahre rund 15 Milliarden US-Dollar für die Bekämpfung von Tuberkulose und der besonders resistenten Erreger aus nationalen und internationalen Mitteln zusammengebracht werden. Bis dahin müsse jeder Patient ungehinderten Zugang zu Diagnose und Behandlungen bekommen können. Auch müsse die Forschung in Diagnose, Medizin und Impfstoffe ausgeweitet werden.

Nach WHO-Angaben sind 2007 rund 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose gestorben. Rund 500 000 waren mit multiresistenten Erregern infiziert, bei denen die Therapie oft versagt. Mehr als 50 Länder vor allem in Asien, Afrika und Europa haben solche Fälle berichtet. Mehr als 60 Prozent der Erkrankungen mit multiresistenten Erregern werden aus China, Indien, Russland und Südafrika berichtet.

Die Antibiotika-Behandlung der Krankheit, die meistens die Lunge befällt, dauert viele Monate und erfordert große Disziplin. Abgebrochene Therapien führen allerdings dazu, dass immer mehr Erregerstämme resistent werden. Besonders anfällig für die Krankheit sind immungeschwächte Patienten wie HIV-Infizierte oder arme Menschen. An der Konferenz nahmen außer der WHO auch der Microsoft- Gründer Bill Gates als Vorsitzender seiner Stiftung sowie Chinas Vizeregierungschef Li Keqiang und andere ranghohe Regierungsmitglieder teil.

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