Ärzte Zeitung, 28.05.2010

Knochentuberkulose bei einer Zweijährigen

Mykobakterien sind zwar nur selten Ursache einer Osteomyelitis bei Kindern. Man sollte jedoch lieber früher als später an einen Tuberkulintest denken. Das legt eine Fallgeschichte nahe.

Von Thomas Meißner

zur Galerie klicken

MRT rechte Schulter: pathologisch vermehrte Kontrastmittelanreicherung des proximalen Humerus mit mehreren intraossären Einschmelzungen und Abszessbildung medianseits. © www.springeronline.com

DÜSSELDORF. Die Eltern eines zweijährigen Mädchens hatten seit drei Tagen bei ihrer Tochter eine Schonhaltung des rechten Oberarms bemerkt. Schmerzbedingt war die Abduktion nur bis 70° möglich. Sonst lagen keine Beschwerden vor. Es bestanden keine relevanten Vorerkrankungen oder Auslandsaufenthalte. Die klinischen und labortechnischen Untersuchungen waren weitgehend unauffällig, berichten Dr. Hubert Wieczorek von der Klinik für Allgemeine Pädiatrie an der Universität Düsseldorf und seine Kollegen (Monatsschr Kinderheilkd 2010; 158:10).

Radiologisch fielen dann Osteolysen am proximalen Humerus auf. Nach sonografischer und kernspintomografischer Untersuchung äußerten die Kinderärzte den Verdacht auf eine Osteomyelitis. Sie behandelten das Kind 14 Tage lang mit Ceftriaxon und Clindamycin intravenös. Allerdings beschleunigte sich die Blutsenkungsreaktion erheblich. Sonografisch und kernspintomografisch registrierten die behandelnden Ärzte einen deutlich größer werdenden Lokalbefund am rechten Oberarm. Hinzu gekommen waren nun ein Gelenkerguss und ein Weichteilabszess. Erst nach der chirurgischen Sanierung der Region war es möglich, Mykobakterien als Verursacher des Krankheitsbildes zu identifizieren.

Diese verzögerte Diagnostik sei typisch, so Wieczorek. Denn zum einen ist die Tuberkulosehäufigkeit bei Kindern in Deutschland rückläufig - sie liegt derzeit bei 2/100 000 - und zum anderen liegen nur in einem bis zwei Prozent der Fälle Knochen- oder Gelenkbeteiligungen vor, meist sekundärer Natur. Außerdem sind die Symptome, die klinischen und labortechnischen Befunde sehr unspezifisch und zunächst oft blande. Bei klinischen und radiologischen Hinweisen auf eine Osteomyelitis sollte ein Tuberkulinhauttest vorgenommen werden, raten die Düsseldorfer. Gesichert werde die Diagnose über den Erregernachweis aus dem Biopsat.

Behandelt wird gemäß der Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) zwei Monate lang mit der Dreifachkombination Rifampicin, Isoniazid und Pyrazinamid. Daran schließen sich sieben Monate Rifampicin/Isoniazid an. Bei dem Mädchen konnte unter diesem Therapieregime eine deutliche Besserung der Befunde registriert werden, der proximale Humerus remineralisierte sich wieder.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »