Ärzte Zeitung online, 17.10.2017
 

RKI

Tb-Fallzahlen in Deutschland bleiben erhöht

Nach dem deutlichen Anstieg der Tb-Fälle im Jahr 2015 blieb die Zahl 2016 fast unverändert.

BERLIN. Mit 5915 gemeldeten Tuberkulose(Tb)-Fällen bleibt die Zahl der Erkrankungen annähernd auf dem Niveau des Vorjahres, in dem die Fallzahlen deutlich angestiegen waren. Das geht aus dem jüngsten "Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland" des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Rund drei Viertel aller registrierten Tb-Patienten waren dabei im Ausland geboren. Zu den häufigsten Geburtsländern zählen Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Rumänien.

Der Anstieg im Jahr 2015 war in erster Linie auf die aktive Fallfindung bei der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung von Asylsuchenden zurückzuführen. Auch 2016 war die auf diese Weise diagnostizierte Tb-Fallzahl bedeutsam, wenn auch geringer als im Vorjahr. Gut ein Viertel der Erkrankungen wurde 2016 aktiv entdeckt (1310 Fälle); 74,3 Prozent davon im Rahmen eines Screenings bei Asylbewerbern und Flüchtlingen. Das RKI hält daher das Screening für ein wichtiges Instrument zur frühzeitigen Erkennung und Behandlung an Tb-erkrankter Personen.

Die erhöhte Tb-Fallzahl im Vergleich zu den Jahren vor 2015 erkläre sich auch durch eine Zunahme an im Ausland geborenen Fällen, die durch passive Fallfindung diagnostiziert wurden, heißt es weiter in dem Bericht. Diese Entwicklung sei nicht überraschend, da das Erkrankungsrisiko noch Jahre nach Einreise erhöht sei und mache deutlich, wie wichtig es ist die Tb als Differenzialdiagnose zu berücksichtigen.

Besonderer Aufmerksamkeit bedürfen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren: Hier sei die Erkrankungszahl im Vergleich zum Vorjahr um fast 19 Prozent gestiegen. Die höchste Inzidenz war dabei bei Kleinkindern unter fünf Jahren zu verzeichnen.

Das Auftreten resistenter – insbesondere auch multi- und extensiv resistenter Tb – stelle weiterhin eine Herausforderung in der Tb-Kontrolle dar. Im Jahr 2016 lag der Anteil an Erkrankungen durch multiresistente Stämme (mindestens gleichzeitige Resistenz gegenüber Isoniazid und Rifampicin) bei 2,7 Prozent und damit etwas niedriger als im Jahr 2015 (3,1 Prozent). Dabei war der Anteil unter den in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion am höchsten (15,3 gegenüber 1 Prozent bei in Deutschland geborenen Patienten).

Die steigenden Erkrankungszahlen in der nichtdeutschen Bevölkerung, die Situation bei der resistenten Tb sowie auch der hohe Anteil offener und damit infektiöser Lungentuberkulosen (über 3300 Fälle im Jahr 2016) zeigten eindrücklich, dass diese Krankheit nach wie vor ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsproblem darstellt, das sich vorwiegend in Risikogruppen konzentriert, so ein Fazit des Instituts . (grz)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Frauen schuld an "Männergrippe"?

Jammernde Männer mit Erkältung sind keine Weicheier, sie leiden tatsächlich stärker. Das liegt wohl am Testosteron. Und an Frauen, die testosterontriefende Männer bevorzugen. mehr »

Stammzellgesetz – Bremse für Forscher?

2002 gab es um die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen eine hochemotionale Debatte. Heute ist der Pionier von ehedem mit dem Stand seiner Arbeit zufrieden. Doch nicht nur er fürchtet durch das Stammzellgesetz Nachteile für Forscher in Deutschland. mehr »

Ebola-Überlebende auch 40 Jahre später noch immun

Eine Forscherin machte sich auf die Suche nach den Überlebenden des ersten Ebola-Ausbruchs – und verspricht sich davon wichtige Erkenntnisse. mehr »