Ärzte Zeitung online, 26.06.2018

Ärzte ohne Grenzen

Südafrika setzt neuen Standard bei TB-Therapie

Mit dem Einsatz von Bedaquilin setzt Südafrika neue Maßstäbe in der Behandlung resistenter Tuberkulose-Erreger.

BERLIN. Als erstes Land weltweit hat Südafrika das Antibiotikum Bedaquilin in nationale Behandlungsrichtlinien für Tuberkulose (TB) aufgenommen, wie Ärzte ohne Grenzen (MSF; Médecins Sans Frontières) berichtet. Das südafrikanische Gesundheitsministerium habe mitgeteilt, dass dort künftig alle Patienten mit resistenten Formen von TB mit Bedaquilin behandelt werden sollen.

Bedaquilin ist eines der wenigen neu entwickelten Medikamente gegen TB, erinnert MSF. Die Therapie mit Bedaquilin habe deutlich weniger Nebenwirkungen als die bisher angewandten Therapien, die in vielen Fällen zu Vertigo, Depressionen oder Taubheit führten.

Für viele Menschen, die an resistenten Formen von TB erkrankt sind, sei Bedaquilin die letzte Chance auf Heilung. Dabei werden Angaben von MSF zufolge weltweit weniger als fünf Prozent der Menschen, die Bedaquilin bräuchten, mit dem Medikament behandelt.

"Die bisherige Standardtherapie für resistente TB heilt nur die Hälfte der Patienten", wird Anja Reuter, die derzeit für Ärzte ohne Grenzen im südafrikanischen Khayelitsha TB-Patienten behandelt, in der Mitteilung zitiert. "In Südafrika haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Behandlung von Patienten mit Bedaquilin zu besseren klinischen Ergebnissen führt." Viele Länder kämen bei der Einführung von Bedaquilin aber nur langsam voran. Südafrika habe nun einen wichtigen Schritt getan.

Um den Einsatz von Bedaquilin in gängige Praxis zu übersetzen, müssten Gesundheitseinrichtungen in Südafrika die entsprechenden Voraussetzungen erhalten, betont MSF. Wichtig sei, dass die Hersteller die Preise für das Medikament senken, denn der hohe Preis stelle bislang ein Hauptproblem für die Verfügbarkeit der Therapie dar. "Der Einsatz von neuen Medikamenten wie Bedaquilin muss Hand in Hand gehen mit einer Dezentralisierung der Behandlung von Patienten mit resistenter TB", heißt es in der Mitteilung. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »