Ärzte Zeitung, 28.07.2005

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Vogelgrippe geht zügig voran

H5N1-Vakzine in klinischer Prüfung / Produktionskapazitäten für Pandemie fehlen aber

HEIDELBERG (eis). Bei der Entwicklung einer Vakzine gegen das Vogelgrippe-Virus H5N1 ist das Unternehmen Sanofi-Pasteur schon weit fortgeschritten. Sollte es aber jetzt zu einer Pandemie kommen, dann reichen in Europa die Kapazitäten nicht aus, um genügend Impfstoff für alle Menschen herzustellen.

Das hat Dr. Erika Harzer von Sanofi-Pasteur MSD zur "Ärzte Zeitung" gesagt. Nach Angaben der Medizinischen Direktorin des Unternehmens wird der H5N1-Impfstoff zur Zeit in klinischen Studien in Frankreich und den USA geprüft. Es handele sich dabei um einen Modell-Impfstoff und noch nicht um eine fertige Pandemie-Vakzine, so Harzer.

Erst wenn ein Pandemie-Virus wirklich auftrete, könne damit auch eine dagegen wirksame Vakzine angesetzt werden. Die bei der Entwicklung der H5N1-Vakzine gesammelten Erfahrungen könnten aber im Ernstfall die Produktion stark beschleunigen.

Harzer bestätigte, daß Sanofi-Pasteur mit den Regierungen der USA und Frankreichs über einen Kauf einer bestimmten Menge des Impfstoffs verhandele.

Die Bundesregierung hat sich nach Presseberichten hingegen an die beiden in Deutschland produzierenden Hersteller Chiron Vaccines Behring und GlaxoSmithKline gewandt.

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt habe sich bereit erklärt, die Vorbereitungskosten für die Herstellung eines Pandemie-Impfstoffs zu tragen, meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dafür werde im Ministerium eine Summe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich angesetzt.

Daß in Deutschland bei einer Pandemie genügend Impfstoff verfügbar ist, dazu kann jeder beitragen, so Harzer. Je mehr Menschen sich jetzt für die normale Grippeimpfung entscheiden, desto mehr Produktionskapazitäten für Impfstoffe werden für Deutschland künftig vorgehalten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Impfstoff-Lücke im Pandemieplan

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »