Ärzte Zeitung, 17.10.2005

Vogelgrippe - ein Thema in den Praxen

H5N1-Virus auch in Rumänien nachgewiesen / Verstärkte Nachfrage nach Impfungen

NEU-ISENBURG (ug). Viele Patienten sprechen zur Zeit ihre Hausärzte auf die Vogelgrippe an. Sie möchten Grippe-Medikamente verschrieben bekommen oder gegen Grippe geimpft werden. Was tun?

Ein Abfertigungsbeamter vom Zollamt München Flughafen durchsucht das Gepäck eines Reisenden aus der Türkei auf Geflügelprodukte. Der Zoll ist angewiesen, an Flughäfen verschärft zu kontrollieren. Foto: ddp

Nachdem das Virus H5N1 auch in Rumänien nachgewiesen worden ist, spricht der Chef des Grippe-Programms der WHO, Klaus Stöhr, von einer besorgniserregenden Situation. Es dürfe aber nicht vergessen werden, daß es sich um eine Tierseuche handele.

Viele Patienten bitten aber vorsorglich ihre Ärzte um ein Rezept für Grippe-Mittel. Das sei eine Gewissensfrage, sagt zum Beispiel Dr. Ulrich Klinsing, Allgemeinmediziner in Frankfurt am Main und Vorstandsmitglied des Deutschen Fachverbands Reisemedizin. Denn das Robert-Koch-Institut rät davon ab, Patienten mit Furcht vor einer Vogelgrippe-Pandemie die Medikamente Oseltamivir (Tamiflu®) oder Zanamivir (Relenza®) zu verschreiben.

Von sich aus biete er das auch nicht an, so Klinsing zur "Ärzte Zeitung". "Aber wenn ein Patient danach fragt und er das von seinem Sicherheitsbedürfnis her braucht, würde ich ihm das auf Privatrezept verschreiben. Vor der Einnahme sollte er aber nochmal mit mir sprechen."

Auch die Nachfrage nach Grippe-Impfungen ist derzeit groß, obwohl die Impfung nicht vor Vogelgrippe-Viren schützt. Das RKI rät, sich auf Risikogruppen zu beschränken. Doch Klinsing etwa impft alle, die danach fragen - "ich lege die Indikationen sehr großzügig aus".

Die verstärkte Nachfrage hat zu einem Engpaß bei den Impfstoffen geführt. Voraussichtlich Ende November soll wieder genügend Impfstoff zur Verfügung stehen.

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RKI rät davon ab, Grippemittel off-label zu geben
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