Ärzte Zeitung, 20.03.2006

H5N1 paßt sich nicht leicht an Menschen an

Durch künstliche Mutationen ließ sich die Affinität des Virus für Menschen nur geringfügig erhöhen

LA JOLLA (mut). Die Furcht, daß sich aus H5N1 plötzlich ein Pandemie-Virus entwickelt, ist vielleicht unbegründet. Experimente mit dem Virus legen die Vermutung nahe, daß sich der Erreger, wenn überhaupt, nur langsam an Menschen anpaßt.

Drei US-Forscher-Teams hatten versucht, im Labor das H5N1-Virus durch gezielte Mutationen an Menschen anzupassen (Science online). Sie arbeiteten dabei nicht mit ganzen Viren, sondern nur mit dem viralen Oberflächenprotein Hämagglutinin. Die Viren benötigen das Protein, um an Zellen anzudocken und diese zu infizieren. Veränderungen an dem Protein können zu einem Wirtswechsel von Vögeln zu Menschen führen.

Die Forscher analysierten Unterschiede im Hämagglutinin zwischen den bekannten Human-Influenzaviren vom Typ H1, H2 und H3 und den Vogelviren vom Typ H1, H2 und H3. Bei den Vogelviren muß zum Teil nur eine einzige Aminosäure im Hämagglutinin ausgetauscht werden, damit sie an menschliche Zellen binden.

Wurden dieselben Veränderungen beim H5-Hämagglutinin erzeugt, erhöhte dies die Affinität für Menschenzellen nur wenig oder gar nicht. Eine Entwarnung will der Virologe Professor Albert Osterhaus aus Rotterdam aber nicht geben: Bereits eine kleine Mutation, die die Affinität für Menschenzellen erhöht, könnte eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung erleichtern.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Im Labor ließ sich H5N1 nicht an Menschen anpassen - das läßt hoffen, daß es die Natur auch nicht schafft

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