Ärzte Zeitung, 24.05.2013

H7N9

Vogelgrippe-Virus durch die Luft übertragbar

Nach einer Infektionswelle mit dem Virus H7N9 melden Behörden in China seit Wochen keine neue Ansteckungen mehr. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh: Eine Studie zeigt, dass sich das Virus direkt unter Säugetieren verbreiten kann – sogar durch die Luft.

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In der Studie mit Frettchen konnten die Wissenschaflter Erkenntise zur Übertragung von H7N9 gewinnen.

© imago/ITAR-TASS

PEKING. Das neue Vogelgrippevirus H7N9 kann nach einer Tierstudie auch durch die Luft übertragen werden.

Beim direkten Kontakt zwischen Frettchen habe sich das Virus leicht verbreitet und weniger effektiv auf dem Luftweg, berichten Forscher aus China, Kanada und den USA (Science 2013; online 23. Mai). "Unter geeigneten Bedingungen ist eine Übertragung zwischen Menschen vermutlich möglich", so die Forscher.

Test mit Frettchen

Die Wissenschaftler hatten den Erreger von einem gestorbenen Patienten isoliert und in die Nase von sechs Frettchen geträufelt. Einen Tag später setzten sie drei gesunde Frettchen in den Käfig zu den infizierten Tieren. Direkt daneben stellten sie einen weiteren Käfig mit drei gesunden Frettchen.

Im Käfig mit den infizierten Tieren steckten sich alle Marder an. In dem etwas weiter entfernt stehenden Käfig wurde nur eines der drei Säugetiere infiziert. Frettchen werden häufig als Säugetiere für Tests benutzt, um eine Übertragung von Mensch zu Mensch zu prüfen.

Noch ein zweites Resultat macht den Forschern Sorge: Schon mindestens einen Tag bevor die Tiere Symptome der Krankheit zeigten, stellten die Wissenschaftler den Erreger in deren Nasen fest. Daraus schließen sie, dass vermutlich auch Menschen das Virus verbreiten könnten, bevor sie selbst erkranken.

Dies würde die Kontrolle einer Epidemie deutlich erschweren. Sollte sich der Erreger leicht unter Menschen übertragen, so könne er sich weit verbreiten, folgern die Wissenschaftler.

Vorsichtsmaßnahmen zeigen Wirkung

Der Virologe Professor Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg, warnt davor, das Resultat für den Menschen überzubewerten.

"Die Studie beruht auf streng kontrollierten Versuchen an Frettchen. Es gibt bisher keinen Beweis dafür, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch überträgt."

Dennoch müsse man den Erreger genau beobachten, da er einige Eigenschaften habe, die typisch für menschliche Influenzaviren seien.

Chinesische Behörden hatten Ende März das erste Mal von Infektionen des Virus bei Menschen berichtet. In den Wochen danach hatten Gesundheitsämter immer mehr Infizierte diagnostiziert und Tote gemeldet.

Mittlerweile scheinen das Keulen tausender Vögel und weitere Vorsichtsmaßnahmen Wirkung zu zeigen: Seit dem 8. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine neuen Infektionen mehr gemeldet.

Bislang sind demnach 36 Menschen an H7N9 gestorben. 131 Patienten wurden der Statistik zufolge mit dem Erreger infiziert. (dpa)

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