Ärzte Zeitung, 19.03.2004
 

"In wenigen Jahren ist ganz Bayern ein FSME-Risikogebiet!"

Auch Grenzregionen zu FSME-Gebieten sind mit Vorsicht zu genießen / Verbreitung der Zecken wird immer zuverlässiger aufgedeckt

MÜNCHEN (wst). In Deutschland sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2200 Patienten mit
einer von Zecken übertragenen viralen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet worden. Durch solche Meldungen werden Risikogebiete festgelegt. Doch sich bei dieser Festlegung nur an der
Erkrankungszahl zu orientieren, scheint nicht auszureichen.

Eine Zecke unter dem Mikroskop. Auch eine Analyse der Tiere selbst sollte bei der Festlegung von Risikogebieten berücksichtigt werden. Foto: Chiron Behring

Risikogebiete in Deutschland sind große Teile Bayerns, Baden-Württembergs und Südhessens. Im näheren Ausland bestehen Infektionsrisiken vor allem in Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Rußland, Lettland und Litauen, aber auch in der nichtalpinen Schweiz, in Südschweden und in Südnorwegen.

In Karten ausgewiesene FSME-freie Gebiete in der Nähe von FSME-Endemiegebieten seien mit Vorsicht zu genießen, hat Professor Reinhard Kaiser vom Städtischen Klinikum Pforzheim bei einer Veranstaltung in München berichtet.

In wenigen Jahren wird wohl ganz Bayern mit Ausnahme des Alpen- und Voralpenlandes eine einzige FSME-Risikoregion sein, prognostizierte Dr. Gerhard Dobler vom Klinikum rechts der Isar der TU-München bei der Veranstaltung von Chiron Behring.

Nicht weil sich die virenbefallenen Zecken ausbreiten, sondern weil die tatsächliche Verbreitung dieser Zecken immer zuverlässiger aufgedeckt wird, etwa durch ein besseres Meldewesen, neue Labormethoden und Analysen von Zecken und Wirtstieren. Die bisherige Praxis, Risikogebiete nur anhand der Zahl von FSME-Patienten festzumachen, sei ungenau und könne zu erheblicher Unterschätzung der Risiken führen.

Geimpft werden sollten in Risikoregionen nicht nur Personen mit beruflichen Risiken wie Landwirtschafts- oder Forstarbeiter, so Kaiser.

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