Ärzte Zeitung online, 23.03.2009

Fachgesellschaft warnt vor Unterschätzung von Borreliose

Tabarz (dpa). Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft warnt vor einer Unterschätzung der von Zecken übertragenen Infektionskrankheit Borreliose. Obwohl diese Krankheit relativ häufig sei, dominiere in der öffentlichen Wahrnehmung die viel seltenere Hirnerkrankung FSME, sagte Präsident Hartmut Prautzsch am Freitag im thüringischen Tabarz.

"Bei der Aufklärung über die Zeckengefahr dominiert die FSME-Schutzimpfung, die hilft aber gegen Borreliose nicht." Schätzungen gehen von 60 000 bis 100 000 Borreliose-Neuerkrankungen jährlich in Deutschland aus, bei FSME werden 180 Fälle bekannt. In Tabarz bei Gotha fand am Wochenende die Jahrestagung der Gesellschaft statt.

Nach Einschätzung des Experten ist vielen Menschen zudem nicht bewusst, dass auch in einer nicht als Risikogebiet für FSME ausgewiesenen Region Borreliose-Infektionsgefahr bestehe. "Borreliose gibt es überall." Je nach Region sind nach Angaben der Gesellschaft bis zu 30 Prozent der in Deutschland vorkommenden Zecken mit den sogenannten Borrelien infiziert. Diese Bakterien gelangen beim Stich einer Zecke ins Blut. Typisches Krankheitssymptom ist ein sich um die Einstichstelle ausbreitender roter Hautring, die "Wanderröte".

Weitere Symptome sind grippeartige Gelenk- und Muskelschmerzen, Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen und Hautveränderungen. Unbehandelt kann es Jahre später zu Entzündungen des Gehirns und des gesamten Nervensystems kommen. "Borreliose lässt sich häufig nur schwer zweifelsfrei feststellen, weil die Symptome unspezifisch und die Nachweismethoden etwa durch Labortests nicht immer eindeutig sind", sagte Prautzsch. "Es kommt auch vor, dass unterschiedliche Labors unterschiedliche Ergebnisse liefern." Behandelt wird die Erkrankung mit Antibiotika. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es bislang nicht.

In Tabarz beschäftigten sich bis Sonntag rund 150 Mediziner aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, den Niederlanden und den USA mit Diagnostik und Therapie der von Bakterien verursachten Erkrankung. Die vor fünf Jahren gegründete Deutsche Borreliose-Gesellschaft ist eine der jüngsten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Ihr gehören 200 Mitglieder an.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2017

Mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis wurden erneut exzellente deutsche pharmakologische Grundlagenforschung und die Entwicklung innovativer Arzneimittel gekürt. mehr »

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »