Ärzte Zeitung online, 24.04.2009

Abends Unterschenkel und Kopf nach Zecken absuchen - das ist der beste Borreliose-Schutz

Wiesbaden (hub). "Keine Panik wegen Borrelien", rät Professor Heidelore Hofmann aus München. Ein Zeckenstich führt meist nicht zu einer Infektion. Wer die Zecken abends nach dem Wandern oder Sonnenbad aufspürt und entfernt, braucht sich vor einer Borrelien-Infektion nicht zu fürchten.

Abends Unterschenkel und Kopf nach Zecken absuchen - das ist der beste Borreliose-Schutz

Zecken sollten mittels Pinzette, einer Zeckenzange oder eines Skalpells entfernt werden. Öl, Klebstoff oder Nagellack sind zur Entfernung nicht geeignet.

Foto: Baxter Deutschland

Zwar ist etwa jede dritte Zecke Trägerin von Borrelia burgdorferi. Doch erstens werde nicht jeder, der sich auf eine Wiese legt, gestochen und zweitens führe ein Stich meist nicht zu einer Infektion, da oft gar keine Borrelien übertragen werden. Und selbst wenn es zu einer Infektion kommt, bedeute das noch lange keine Borreliose. Schließlich haben wir Menschen eine funktionierende Immunabwehr, sodass nur jeder vierte nach einer Borrelieninfektion erkrankt, so Hofmann.

Entscheidend für die Borreliose-Prophylaxe ist die rechtzeitige Entfernung des Spinnentiers. "Und dazu hat man Zeit", sagte die Dermatologin beim Internistenkongress in Wiesbaden. Die Bakterien brauchen etwa drei Tage, bis sie vom Darm der Zecken in den Wirt gewandert sind. Und diese Reise machen sie bei Menschen eher widerwillig: Das Übertragungsrisiko liegt nach drei Tage bei etwa 20 Prozent. Das Absuchen des Körpers nach Zecken ist also auch noch am Abend, nach dem Sonnenbad auf der Wiese möglich. Nach einem frischen Stich ist die Borrelienübertragung sehr unwahrscheinlich. Eine Botschaft, die geeignet ist, Patienten die Angst vor einer Borreliose zu nehmen, die durch eine Reihe von Organisationen geschürt werde.

Beim Absuchen nach Zecken müsse immer auch berücksichtigt werden, wer da abgesucht wird. "Bei Erwachsenen sitzen die Tiere zu 60 Prozent an Unterschenkel und Knie, bei Kindern hingegen zu etwa 50 Prozent an Kopf und Hals", so Hofmann. "Bei Kindern müssen besonders die Haare untersucht werden." Darauf sollten die Eltern besonders achten.

Komme es zu einer Borreliose, ist die Prognose gut: In der Frühphase ist bei 95 Prozent der Patienten eine Heilung möglich, in der Spätphase immer noch bei 70 Prozent. "Auch bei einer frühen Therapie können die Symptome noch monatelang anhalten", sagte Hofmann. "In der Regel handelt es sich dabei aber nicht um eine persistierende Infektion." Solche postinfektiösen Reaktionen kommen auch nach Infekten mit anderen Erregern vor, wenn diese schon lange eradiziert sind.

Patienten müssen bei Einleitung einer Antibiotikatherapie darauf hingewiesen werden, dass sich vorhandene Hautsymptome verschlimmern können. Hofmann: "Das ist eine typische Herxheimer-Reaktion, verursacht durch Absterben und Abbau der Borrelien - also ein Zeichen für das Ansprechen auf die Behandlung."

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