Ärzte Zeitung online, 19.06.2009

"Dieses Jahr gibt es mehr Zecken als üblich"

Das Risiko, bei einem Aufenthalt in der Natur von einer Zecke gestochen zu werden, hat sich in Bayern in diesem Jahr offenbar erhöht.

Von Jürgen Stoschek

Bei Kindern sitzen Zecken meist unter den Achseln sowie an der Kopfhaut unter den Haaren oder am Hals.

Foto: Baxter

MÜNCHEN. Die Bundeswehr in München arbeitet seit einigen Jahren an einem Vorhersagemodell für das Infektionsrisiko durch Erreger, die von Zecken übertragen werden. Zu den Untersuchungen gehört auch das Einsammeln von Zecken, berichtete Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Innerhalb von zwei Stunden habe er Anfang Juni etwa 350 Zecken gesammelt und damit etwa doppelt so viele wie zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr, berichtete Dobler bei einer Pressekonferenz der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen.

Hinzu komme, dass es in diesem Jahr mehr Zecken im adulten Stadium gibt, die mehr Viren in sich tragen, erläuterte Dobler. Ein weiterer Hinweis auf ein erhöhtes Risiko seien die in den vergangenen zwei Wochen bayernweit offiziell gemeldeten 14 FSME-Erkrankungen. Auch das sei deutlich mehr als jeweils in den vergangenen beiden Jahren. Die Annahme, dass ein langer und kalter Winter zu weniger Zecken und damit zu einem geringeren Risiko führt, sei offenbar nicht richtig, erklärte Dobler.

In Bayern liegt die FSME-Impfrate bei ungefähr 40 Prozent.

Möglicherweise bewirke ein langer Winter, dass Zecken in der Übergangszeit weniger aktiv sind und auch weniger selbst von Parasiten befallen werden, sodass sie gewissermaßen "gestärkt in die Saison starten können", meinte Dobler. Diese Überlegungen seien allerdings rein spekulativ, räumte er ein.

In Bayern liege die Durchimpfungsrate bei etwa 40 Prozent, in einigen Gegenden jedoch sogar inzwischen bei 80 Prozent, berichtete Dr. Nikolaus Frühwein, Präsident der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen.

Um die Bevölkerung wirksam vor FSME zu schützen, müssten jedoch Durchimpfungsraten ähnlich wie in Österreich von 90 Prozent angestrebt werden, betonte Frühwein. 128 FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr in Bayern seien noch immer viel zu viel.

[22.06.2009, 11:45:15]
Gabriele Wagner 
Zecken stechen tatsächlich - mit ihrem Stechrüssel
Es ist tatsächlich so, dass Zecken stechen und nicht beißen.
Zecken haben zwar keinen Stachel am Hinterleib wie Wespen o.ä. Insekten, die mehr mit "stechen" assoziiert sind.
Bei den Zecken sind jedoch die Mundwerkzeuge zu einer Art Stechrüssel umgebaut, der aussieht wie eine hohle Säge. Damit stechen sie mit einer sägenden Bewegung in die Haut. Die Sägezähne dienen gleichzeitig als Widerhaken; deshalb sind Zecken so schwer zu entfernen.

Im Volksmund ist allgemein von Zeckenbissen die Rede, aber das ist - biologisch betrachtet - nicht richtig. Da wir als Fachzeitung auf Richtigkeit achten, müssen wir auch damit leben, dass mitunter unsere Leserinnen und Leser den Eindruck haben, wir wüssten es nicht richtig.

Beste Grüße aus dem Newsroom
Gabriele Wagner

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[19.06.2009, 08:44:51]
Susanne Kraft 
"...in der Natur von einer Zecke gestochen zu werden,..."
Bayerische Zecken "stechen"?? Bei uns in Hessen beißen sie sich in der Haut fest.
In einer wissenschaftlichen Fachzeitung sollten solche Fehler schon beim Redigieren der Artikel auffallen. zum Beitrag »

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