Ärzte Zeitung online, 07.04.2014

Diagnostik

Ärzte brauchen bessere Borreliose-Labortests

Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit. Eine Impfung gibt es nicht, bei Infektionen helfen jedoch Antibiotika. Das Problem ist aber eine aussagekräftige Diagnostik, wie bei einer Tagung erneut kritisiert worden ist.

ERFURT. Fachleute fordern verbesserte Labortests zur Diagnostik von Borreliose. Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft beklagte am Freitag in Erfurt vor allem methodische Defizite bei den Blut- und Liquor-Tests.

"Die verfügbaren Tests sind oft nicht empfindlich genug", sagte Professor Karl Bechter vom Klinikum Günzburg auf der Jahrestagung der Gesellschaft. Vor allem bei Verdacht auf Neuroborreliose ist es schwierig, die Infektion von anderen Erkrankungen abzugrenzen.

In Deutschland erkranken nach Hochrechnungen jährlich Zehntausende Menschen an Borreliose. Das ist ein Vielfaches der ebenfalls von Zecken übertragenen FSME (2013: 420 Fälle). Eine Meldepflicht für Borreliose gibt es nicht.

Anders als FSME, die vor allem in Süddeutschland auftritt, ist Borreliose bundesweit verbreitet. Allerdings ist nicht jede Zecke gefährlich. "Nur bei etwa jedem 100. Zeckenstich wird tatsächlich Borreliose übertragen", sagte der Vorsitzende der Fachgesellschaft, Professor Hartmut Prautzsch aus Karlsruhe.

Wichtigstes Frühsymptom ist das Erythema migrans. "In diesem Fall ist möglichst schnell eine Antibiotika-Behandlung zu beginnen", so Tagungsleiter Bechter.

In Erfurt haben sich 150 Experten aus vier europäischen Ländern, den USA und Kanada zu neuen Aspekten von Diagnostik und Therapie bei Borreliose ausgetauscht. (dpa)

[08.04.2014, 18:14:36]
Ute Fischer 
Die Laienmedien begreifen den Ernst nicht
Montagvormittag parlierte das ARD-Morgenmagazin über die leicht zu behandelnde, seltene Borreliose. Ein Parasitologe, der keine Patienten sieht, gab Behandlungsempfehlungen ab. Es ist nicht die einzige Redaktion eines Laienmediums, das Jahr für Jahr olle Kamellen vom Vorjahr abschreibt und nicht begreift, was in Deutschland los ist.

Die Auswertung der DEGS-Studie (RKI)ergab, dass 9,4 Prozent der erwachsenen Deutschen (7,5 Millionen) Antikörper gegen Borrelien haben. Freilich bedeutet das nicht, dass sie alle an Borreliose erkranken werden. Wenngleich Studien aus Nordamerika und von Dr. Dieter Hassler (Kraichgau) besagen, dass ein infizierter Mensch noch nach acht symptomfreien Jahren an Borreliose erkranken kann.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

Weg frei für GroKo-Gespräche und Nachverhandlungen

Es war eine Zitterpartie: Weniger als 60 Prozent der SPD-Delegierten auf dem Parteitag stimmten Gesprächen zur Bildung einer große Koalition zu. Nun soll weiterverhandelt werden – auch in Sachen Gesundheit. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »