Ärzte Zeitung, 18.03.2004
 

Verbessert Anämie-Therapie die Prognose von Krebskranken?

Hinweise auf größere Überlebens-Chancen bei physiologischem roten Blutbild / Lebensqualität der Patienten steigt

BERLIN (gvg). Die Behandlung mit rekombinantem Erythropoetin verbessert bei Patienten mit soliden und hämatologischen Tumoren die Lebensqualität. Möglicherweise kann damit auch die Lebenszeit verlängert werden.

Anämien gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen bei Tumorerkrankungen. "Bis zu einem Drittel aller Patienten sind bei der Erstdiagnose maligner Tumorerkrankungen anämisch. Bei einer Chemotherapie mit platinhaltigen Präparaten steige dieser Anteil auf fast einhundert Prozent, berichtete Professor Mohammad Nowrousian vom Westdeutschen Tumorzentrum der Universität Essen beim Deutschen Krebskongreß in Berlin.

Patienten mit Anämien sollten behandelt werden, so Nowrousian auf einer Veranstaltung von Hoffmann-La Roche. Denn zum einen wirke sich gerade bei Hämoglobinwerten zwischen 10 und 12 Milligramm pro Deziliter ein therapeutisch induzierter Hb-Anstieg wegen der stärkeren Belastbarkeit und der Verringerung zentralnervöser Symptome günstig auf die Lebensqualität der Patienten aus. Zum anderen sei eine Normalisierung des Hb-Wertes auch metabolisch vorteilhaft, weil die Sauerstoffversorgung des Tumors verbessert werde. Denn das hemme das Tumorwachstum, so der Essener Onkologe.

Statt Transfusionen empfiehlt Nowrousian bei Tumoranämien die frühzeitige Behandlung mit rekombinantem humanem Erythropoetin. Das Unternehmen bietet Epoetin-beta als NeoRecormon® an. Anders als mit Transfusionen sei damit eine längerfristige Anhebung des Hb-Wertes möglich. Bei Applikation von 150 Einheiten Epoetin-beta pro Kilogramm Körpergewicht und Woche komme es bei etwa drei Viertel der Patienten mit soliden und hämatologischen Tumoren nach vier bis acht Wochen zu einer deutlichen Verbesserung im roten Blutbild, so Nowrousian.

Zwar fehlten noch harte Studiendaten, doch sehe es so aus, als lasse sich durch das Anheben des Hb-Wertes bei Tumorpatienten in einen Bereich zwischen 12 und 14 Milligramm pro Deziliter auch das Leben verlängern, so der Hämatologe. Es gebe auch Studien, die ergaben, daß durch eine Normalisierung des Hb-Wertes die Erfolgschancen von Chemo- und Strahlentherapien stiegen. Nowrousian warnte allerdings vor einem zu starken Hb-Anstieg: "Mehr ist nicht mehr. Höhere Hb-Werte können die Tumorhypoxie wieder erhöhen und so das Tumorwachstum stimulieren", erläuterte Nowrousian.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »