Ärzte Zeitung, 17.03.2004

Positive Daten zur Mistel-Therapie vorgestellt

Kohortenstudien zu Brustkrebs und Melanom / Günstige Wirkung auf Mortalitätsrate

BERLIN (eb). Das Mistelpräparat Iscador® erhöht einer retroelektiven Kohortenstudie zufolge die Lebensqualität von Frauen mit Brustkrebs und verringert das Mortalitätsrisiko. Das hat Privatdozent Walter E. Friedel vom Klinikum Bad Bocklet beim Deutschen Krebskongreß in Berlin gesagt.

An der Studie, deren Daten vor zwei Jahren schon vorgestellt worden sind, haben 1442 Patientinnen mit Mammakarzinom teilgenommen. Sie wurden erstmals wegen des Tumors konventionell behandelt (Operation, Strahlen-, Chemo-, Hormontherapie), hatten keine Fernmetastasen und kein Rezidiv. 710 Frauen erhielten zusätzlich zur Behandlung im Anschluß an die Operation für mindestens sechs Monate zwei- bis dreimal pro Woche subkutan das Mistelpräparat. Alle Patientinnen wurden mindestens drei Jahre oder bis zu ihrem Tod, im Mittel etwa fünf Jahre nachbeobachtet.

Unerwünschte Wirkungen der konventionellen Krebsbehandlung wie Erbrechen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Mukositis oder Hautreaktionen seien bei 16,2 Prozent der Patientinnen in der Mistel-Gruppe und bei 54 Prozent der Frauen aufgetreten, die kein Mistelpräparat erhalten hatten, sagte Friedel bei einer Veranstaltung des Unternehmens Weleda. Die Mortalitätsrate habe sich mit dem Mistelpräparat nach fünf Jahren absolut um fünf Prozent vermindert im Vergleich zur nicht mit Mistel behandelten Gruppe. Zehn Prozent habe der Unterschied bei der Mortalität nach zehn Jahren betragen. Die Studie sei bei einer deutschen Fachzeitschrift zur Veröffentlichung eingereicht, sagte eine Firmensprecherin.

Eine weitere retroelektive Kohortenstudie gibt es mit Patienten, bei denen ein primäres malignes Melanom diagnostiziert worden war. 686 Hautkrebskranke sind nach der chirurgischen Entfernung des Malignoms entweder nur nachbeobachtet worden (watchful waiting) oder haben zusätzlich den Mistelextrakt erhalten, durchschnittlich für zweieinhalb Jahre. Die Probanden sind bis zu elf Jahren nachbeobachtet worden, im Mittel viereinhalb Jahre (Vergleichsgruppe) und sieben Jahre (Verumgruppe).

Die tumorbedingte Mortalität - das primäre Zielkriterium der Untersuchung - habe mit dem Mistelpräparat nach vier Jahren um absolut fünf Prozent im Vergleich zur nicht-behandelten Gruppe gesenkt werden können, berichtete Privatdozent Matthias Augustin von der Universitäts-Hautklinik Freiburg. Dieser Effekt sei nur beobachtet worden bei den Probanden, die mindestens zwei Jahre mit dem Mistelpräparat behandelt worden waren. Hirnmetastasen seien mit dem Mistel-Extrakt nicht häufiger aufgetreten als in der Vergleichsgruppe.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »