Ärzte Zeitung, 22.11.2004
 

Neue Mittel verbessern Radiochemotherapie bei Rektum-Ca

Mit Capecitabin und Oxaliplatin läßt sich Strahlenempfindlichkeit des Gewebes erhöhen / Jeder fünfte Patient präoperativ mit kompletter Remission

HAMBURG (mut). Bei Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom ist inzwischen eine Radiochemotherapie vor der Tumor-Resektion die Behandlung der Wahl. Mit einer Kombination aus Capecitabin und Oxaliplatin kam es dabei in einer Phase-II-Studie doppelt so häufig zu einer kompletten Tumorremission wie mit der Standardtherapie.

Was ist die optimale Therapie für Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen Rektumkarzinom? Zunächst sollten die Patienten besser vor der Operation und nicht erst postoperativ eine Radiochemotherapie erhalten. Darauf deuten Daten einer neuen deutschen Studie mit über 800 Patienten: Demnach lebten in der Gruppe mit neoadjuvanter Behandlung nach vier Jahren noch 77 Prozent der Patienten, bei postoperativer Radiochemotherapie 73 Prozent. Das hat Professor Jürgen Dunst aus Halle/Saale berichtet.

Ein weiterer Vorteil: Bei Patienten mit tiefsitzendem Rektumkarzinom ließ sich bei neoadjuvanter Therapie bei 40 Prozent der Sphinkter erhalten, bei postoperativer Therapie nur bei etwa 20 Prozent.

Bei der Radiochemotherapie sind derzeit Infusionen mit 5-Fluorouracil (5-FU) während der Bestrahlung Standard. Verbessern lasse sich die Behandlung offenbar mit neuen Substanzen, die die Strahlenempfindlichkeit des Tumorgewebes weiter erhöhen, so Dunst auf einem Symposium von Hoffmann-La Roche in Hamburg. Dazu eignen sich etwa Capecitabin (Xeloda®) und Oxaliplatin.

Capecitabin ist eine Vorstufe von 5-FU und wird überwiegend in Tumorzellen in zytotoxisches 5-FU umgewandelt. Ein Vorteil: Es kann oral appliziert werden und somit 5-FU-Dauerinfusionen ersetzen. Zudem trete eine schwere radiogene Enteritis, die oft Dosis-limitierend ist, mit Capecitabin bei weniger als fünf Prozent der Patienten auf, bei 5-FU-Dauerinfusionen jedoch bei über zehn Prozent, so Dunst.

In einer Phase-II-Studie mit 85 Patienten wurde nun geprüft, ob die neoadjuvante Therapie mit Capecitabin plus Oxaliplatin der Therapie mit 5-FU-Infusionen überlegen ist. Das Ergebnis: Präoperativ kam es bei 21 Prozent mit der Kombination zu einer kompletten Remission, mit 5-FU jedoch nur bei zehn Prozent.

Dunst wies darauf hin, daß etwa 90 Prozent der Patienten mit einer kompletten Remission nach fünf Jahren noch ohne Rezidive leben, jedoch weniger als 80 Prozent der Patienten, bei denen es zu keiner vollständigen Remission vor der Op kommt. Ob Capecitabin plus Oxaliplatin bei der Radiochemotherapie tatsächlich mehr Rezidive verhindern kann als die Standardtherapie, müsse jetzt in Phase-III-Studien geklärt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »